Gelegenheitsspieler

Versuch einer Definition

Gelegenheitsspieler, die sogenannten Casuals, sind in aller Munde. Es werden bestehende Spiele für sie angepaßt oder sogar extra Spiele für sie gemacht. Fast jeder hat das Wort „Casual“ oder seine Synonyme schon einmal benutzt. Fragt man aber, was denn dieser „Casual“ ist, kommen höchst unterschiedliche Antworten. Jeder stellt sich etwas anderes darunter vor oder definiert den „Casual“ anders.

Ich bezeichne mich selber als Gelegenheitsspieler. Deswegen muß ich natürlich auch definieren, was ich darunter verstehe. Gleichzeitig will ich die Definition recht weit fassen, damit ich möglichst viele Gelegenheitsspieler darunter packen kann,  wie ich sie verstehe, aber ich will auch wichtige Einschränkungen machen.

Definitionspunkt 1 – Die Zeit

Die Menge der Zeit, die ein Spieler in einem Spiel verbringt, ist ein wesentlicher Punkt, in dem sich Spieler unterscheiden. Da werden sich alle einig sein. Wer wenig spielt ist ein „Casual“.

Definitionspunkt 2 –  Zeit am Stück

Aber ein „Casual“ ist nicht nur ein Spieler, der wenig Zeit in einem Spiel verbringen kann, sondern es fallen auch die Spieler darunter, die zwar mehr Zeit haben, die aber diese Zeit nicht „am Stück“ in einem Spiel verbringen können.
Ist der Begriff Zeit meist klar, tauchen hier die ersten Mißverständnisse zwischen sich vergleichenden Spielern auf. Spieler 1 beklagt sich darüber, daß er wenig Zeit hat und deswegen als Gelegenheitsspieler in einem MMO, wie z.B. WoW, nicht alle Inhalte sehen kann. Spieler 2 sagt dazu, daß er auch wenig Zeit habe, aber alles sehen könne. Das, was beide unterscheidet, ist die Zeit, die sie am Stück zur Verfügung haben.

Gehen wir mal von einer 5 Tage Arbeitswoche aus. Spieler 1 ist jede Mittagspause online und abends eine Stunde, nachdem die Kinder im Bett sind. Macht bei 5 Tagen x 2h = 10 Stunden. Spieler 2 ist nur zwei Tage die Woche online, nämlich regelmäßig dienstags und donnerstags je 5 Stunden abends.
Beide verbringen gleich viel Zeit im Spiel, aber Spieler 1 ist eher ein Casual als Spieler 2, denn Spieler 2 verbringt mehr Zeit am Stück im Spiel.

Definitionspunkt 3 –  planbare Zeit

Aber nicht nur Zeit am Stück macht einen Unterschied, sondern auch die Planbarkeit der Zeit.
Nehmen wir das Beispiel von oben. Spieler 2 hat nun nicht mehr regelmäßig dienstags und donnerstags Zeit, sondern ist z.B. Schichtdienstler, hat Kinder, Freunde oder eine Beziehung samt Haushalt, die seine Aufmerksamkeit erfordern. Er kann auch mal 5 Stunden am Stück spielen, weiß aber nie, wann. Es kann sein, daß er sich einloggt und dann ein kleines Kind wach wird, daß er erst einmal beruhigen muß. Oder er hat abends etwas vor, sein reales Leben fordert Zeit von ihm. Die Freundin will z.B. ins Kino. Wer dann mit „Nein Schatz, heute geht es nicht, ich habe eine Verabredung zum Raid“ antwortet… naja, was dann passiert, kann man sich denken. Oder?

Definitionspunkt 4 –  ununterbrochene Zeit

Und da wären wir schon bei Punkt 4. Man könnte es auch unter 3 ziehen, aber ich mache hierfür einen eigenen Punkt, um es zu verdeutlichen.
Man darf keine Angst vor Unterbrechungen haben. Natürlich gibt es auch die Zeigenossen, die in einer Gruppe AFK gehen, weil die Freundin einen Quicky will (nein, ist mir leider noch nicht passiert) oder weil der Pizzabote kommt und man die Pizza lieber im Wohnzimmer auf der Couch vor dem aktuellen Bundesligaspiel sieht, als sie sich beim stressigen Gruppenspiel im MMO in den Hals zu stecken. Aber diese Zeitgenossen mag zu Recht niemand.

Ich weiß noch, wie peinlich es in WoW meiner Liebsten war, als unsere kleine Tochter zahnte und sie mitten in den Todesminen mit einer unbekannten Gruppe AFK mußte. Als sie wiederkam, waren fast alle tot, weil irgendeiner eine Patrouille nicht gesehen hatte, die da durch kam. Schließlich heilte sie die Instanz durch, während sie unsere Kleine auf ihren Knien schauckelte.

Wer also Angst hat, unterbrochen zu werden, wird wie ein „Casual“ spielen, denn er kann sich nicht auf langwierigen Inhalte einlassen.

Keine Casuals – wie ich sie verstehe

Gerne werden „Casuals“ als unfähige Spieler definiert, die alles in den Ar… geschoben bekommen wollen. Das liegt daran, daß es eine weitere Gruppe von Spielern gibt, die sich durchaus als „Casuals“ bezeichnen, es aber nicht sind, nimmt man meine Definition.

Diese Spieler würde ich eher als unfähige Vielspieler bezeichnen. Sie unterscheiden sich von den Gelegenheitsspielern dadurch, daß sie viel Zeit in ein Spiel investieren können, ihnen aber der Willen oder die Fähigkeit fehlt, möglichst gut zu spielen. Der „Casual“, wie ich ihn sehe und auch verkörpere, möchte aber möglichst gut spielen. Er versucht, im Rahmen seiner Möglichkeiten, alles im Spiel zu erreichen, seinen Charakter gut auszurüsten und zu spielen.

Man wird einen Casual z.B. niemals antreffen, wie er – Beispiel WoW – ohne Verzauberungen, mit nicht mal den billigsten Edelsteinen in den Sockeln der Ausrüstung und als Krieger in Stoffrobe mit dem Attribut Intelligenz, weil die ja lila (d.h. epische Ausrüstung) ist, durch eine Instanz zieht. Wer so ankommt, ist der 5., 6. oder 7. Twink eines unfähigen Vielspielers.

Casuals – was wollen sie?

Das ist die große Frage, die die Spielehersteller umtreibt, denn die „Casuals“ sind ein großer und finanzstarker (Casual = real life = meist Arbeitende Bevölkerung = GELD!!!!) Markt, den man gerne abschöpfen möchte.

Ihr Blickwinkel ist aber eingeschränkt, genauso wie der der Vielspieler, die auf einen Casual schauen. Außerdem werden die echten Casuals eben mit den unfähigen Vielspielern verwechselt. Also bekommt man als Casual das, was die Designer denken, man wolle, nämlich die Inhalte für Vielspieler, möglichst vereinfacht.

Aber das wollen Casuals eigentlich nicht. Ich und meine Liebste ganz sicher nicht. Wir wollen unterhalten werden, Sachen machen, die uns Spaß machen. Wenn etwas leichter ist und man einfacher 20 Mal durch Instanz XYZ rennen kann, um Item ZYX abzugreifen, heißt das nicht, daß es auch unterhaltsam ist.

Casuals sind eher die, die Geschichten als Inhalte verlange, die Farmen als Inhalt ablehnen. Und das macht es nicht einfacher für die Spieledesigner. So etwas erfordert nämlich Aufwand und Aufwand kostet Geld.

So gesehen ist ein Vielspieler, der 100 Mal in die gleiche Raidinstanz rennt, um neue Ausrüstung für seinen Charakter abzugreifen, einfacher zu befriedigen, als ein Casual, der eine lange Questreihe abschließt und dann die nächste sehen will. Für den Vielspieler macht man einfach eine neue Instanz, in der neue Ausrüstung fällt. Ein Gelegenheitsspieler zieht nur eine Augenbraue hoch und läßt die Instanz links liegen.

Fortsetzung folgt …

9 Antworten zu Gelegenheitsspieler

  1. Sqwirrel schreibt:

    Hm, bin mit den Definitionen nicht ganz zufrieden (nicht, dass ich das sein müsste ;)).

    Ich habe mich auch immer als Casual gesehen, obwohl ich oftmals viele Stunden am Stück gespielt habe, diese oftmals planen konnte und keine Unterbrechungen fürchten musste.

    Nichtsdestotrotz habe ich mich nie beteiligt an Itemhatz und Co, war ich seltenst in Instanzen (einfach, weil sie mir keinen Spaß machten) und habe Gruppenplay gemieden, sondern mich lieber als Soloplayer umhergetrieben.
    Dabei habe ich mit Kontakten geflüstert bzw mit der Gilde gechattet, habe wild umhergetwinkt, manchmal tagelang einfach nur stupide Erze gefarmt und hatte beim Verkaufen die Dollarzeichen in den Augen $_$; habe mir einen Ast gefreut, wenn sich mein Goldbestand mehrte – und diesen dann im AH wieder auf den Kopf gehauen und mir einen Ast gefreut über Rüstungsteile, die ich beim Shoppen erworben hatte. *g*

    Außerdem habe ich viel Zeit mit irgendwo rumstehen verbracht, weil ich dann manchmal nebenher gebloggt, getwittert oder im Stammforum gepostet habe, auf ICQ mit jemandem gequatscht oder einen kurzen Abstecher zu Schatz auf die Couch gemacht habe.

    Kurzum: ich habe WoW leidenschaftlich und intensiv gespielt und trotzdem nicht allzu ernst genommen.
    Gelegenheitsspieler = Spielen zu jeder Gelegenheit, aber das reichlich ineffektiv. *g*

    Mir hat es einfach gereicht, mich durch eine fantastische Welt zu bewegen mit unterschiedlichen Figuren, dabei Kontakte zu Gildies zu pflegen und einfach…Fun zu haben.
    Und manchmal blieb ich auch einfach mal wochenlang offline, weils im RL Wichtigeres zu tun gab.

    Interessanterweise hatte ich damit ganze 4 Jahre lang einen wahnsinnigen Spaß an diesem Spiel (während sich in Foren ja ständig Leute beschwerten über zu wenig Content, Langeweile, etc.).

    • jarlskor schreibt:

      Ich habe es als Versuch einer Definition überschrieben, weil es mehr nicht sein kann. Es gibt sicher andere Definitionen, die ebenfalls auf Gelegenheitsspieler zutreffen.

      Man könnte es auch ganz kurz so definieren: Gelegenheitsspieler wollen Spaß an einem Spiel haben, ohne unbedingt die von den Designern definierten Ziele zu erreichen.

  2. Pingback: Aus dem (WoW)Leben eines Casuals « Rote Rüben

  3. Nomadenseele schreibt:

    Entschuldigung für Offtopic, ich habe mein Blog vorübergehend auf privat umgestellt, dir aber eine Leseberechtigung zukommen lassen.

    Ich denke, dass ich das Blog spätestens zu Pandaria wieder freigebe.

  4. nomadenseele schreibt:

    Ich habe mich jetzt erst einmal für die Variante *Offen + geschützte Artikel* entschieden. Sollte ich das Blog schließen, hast du auf jeden Fall eine eingetragene Leseberechtigung.

  5. Dar ich kein Kontaktformular oder einen Kontakt auf ihrer Seite finden konnte wollte ich fragen, ob sie den Link : (Edit Jarlskor: von mir entfernt) zu meinem Preisvergleich mit in die Seiten Navigation übernehmen würden, um ihren Usern zu zeigen wo es das Spiel am günstigsten gibt. Wir würden im Gegenzug zu ihnen verlinken um Infos zum Spiel zu bekommen. Das würde sich denke ich wunderbar ergänzen.

    Ich bitte um Rückmeldung an die angegebe eMail Addresse.

    In diesem Sinne, vielen Dank
    Pascal van den Berghe

  6. nomadenseele schreibt:

    Wegen einer Sicherheitslücke bei Screenshots*** bin ich wohl gezwungen mein Blog zuzumachen. Du solltest Zugang haben, evt. musst du die Einladung annehmen.

    Grüße.

    ***
    http://www.chraecker.de/blog/?p=1380#comment-726

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