Sind Raubkopierer wirklich schädlich?

Ich kaufe mir nur Originale. Sowohl von Spielen, als auch von Musik oder Filmen. Allerdings muß ich sagen, daß ich einerseits genug Geld habe und andererseits mein Konsum im Alter nachgelassen hat.

Als Jugendlicher sah das ganz anders aus. Beim C64 wußte ich gar nicht, daß man Spiele auch kaufen kann. Da wurde nur getauscht. Und Musik hat man eben aus dem Radio auf Kassette mitgeschnitten, was damals legal war und immer noch legal ist. Das das Überspielen von einer mitgeschnittenen Kassette auf die andere nicht legal war, hat damals wenig interessiert. Man hatte überhaupt keine Idee davon, etwas illegales zu tun.

Heute sieht die Sache anders aus. Heute weiß ich, was legal und was illegal ist und ich halte mich an die Gesetze. Allerdings wird mir als ehrlicher Kunde immer wieder erzählt, daß die Firmen meine Rechte einschränken müssen – besonders im PC-Spielebereich, weil es so viele Raubkopierer gibt. Und wenn man das nicht einschränkt, wird mir erzählt, gehen Firmen pleite, weil Kunden sich die Spiele als Raubkopien holen, statt sie zu kaufen.

Das konnte ich nie nachvollziehen, weil ich nicht glaubte, daß man die Zahl der Raubkopierer einfach als Kunden hochrechnen kann. Die Industrie macht es ja so: „Wir haben X Raubkopien von einem Titel. Wenn wir die Raubkopien unterbinden, haben wir diese X Raubkopierer als Kunden und verdienen entsprechend mehr.“
Meine Meinung dazu war schon immer, daß man das nicht so rechnen kann. Ich glaube einfach nicht, daß alle Raubkopierer sich den Titel dann kaufen würden. Sie kaufen ihn sich ja gerade nicht, sondern wollen kein Geld dafür ausgeben.

Jetzt kam eine Studie der Copenhagen Business School und der Ludwig-Maximilians-Universität in München zu dem Ergebnis, daß seit der Schließung des Filehosters Megaupload im Januar 2012 keineswegs höhere Einnahmen für die Filmindustrie entstanden sind, sondern für Produktionen mit geringerm Marketingbudget sogar gesunken sind.
Die Studie führt das auf den Effekt zurück, daß man über die „Raubkopierer“ mit geringer Zahlungsbereitschaft auch Konsumenten mit hoher Zahlungsbereitschaft erreiche. Quasi erzählt der „Raubkopierer“ einem Bekannten, wie gut etwas ist und der kauft es dann. Dieser Effekt fällt weg, wenn der Raubkopierer wegfällt.

Das ist durchaus logisch.
Und hier trifft es dann wieder auf meine Erfahrung. Ich gebe zwar Geld aus, aber ich schaue doch ganz genau hin, wofür. Das liegt gar nicht am Mangel an Geld, sondern eher daran, daß ich mich ärgere, wenn ich Geld für „Schrott“ ausgegeben habe. So sehe ich mir nicht jedes Spiel an, daß ich gerne mal ausprobiert hätte, sondern kaufe nur das, von dem ich sicher bin, daß es gut ist. Ich vermute, mir entgehen dadurch einige gute Titel. Ganz sicher entgehen aber der Industrie dadurch Einnahmen.

Das Märchen vom bösen Raubkopierer sollte die Industrie vielleicht einmal überdenken, wenn es ihr nicht nur dazu dienen soll, ehrliche Kunden mit immer neuen Schranken vor ihrem Spielspaß „zu bewahren“. Am Ende vergrault das nämlich mehr Kunden, als man ehemalige Raubkopierer als Kunden neu gewinnt.

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2 Antworten zu Sind Raubkopierer wirklich schädlich?

  1. nomadenseele schreibt:

    Wird das Blog noch gepflegt? Ich frage nur, weil ich meinen Outlook-Feeder gerade neu bestücke.

    • jarlskor schreibt:

      Ja, eigentlich schon. Ich habe nur lange nichts mehr geschrieben, weil mir einfach die Zeit fehlt.
      Allerdings habe ich vor, das wieder zu ändern, weiß aber nicht, wann das sein wird.

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