Der Kampf um den Rollenspielserver

Rollenspieler sind eine Spezies, die heutzutage in MMORPG, ein Schattendasein führt, obwohl RPG bei dieser Abkürzung ja „Role Playing Games“ heißt. Wenn es mal Server für Rollenspieler gibt, dann werden diese halbherzig umgesetzt, nur, um eben auch Rollenspielern etwas bieten zu können. Dabei übersehen die Entwickler, daß Rollenspieler, anders als die Durchschnittscommunity, nicht so leicht zu ködern sind. Sie merken recht schnell, wenn da ein Server nur dem Namen nach aufgestellt wird, wie es zuletzt in „SW:TOR“ war.

Andererseits sind Rollenspieler diejenigen, die einem Spiel mitunter am längsten die Treue halten. Sie sind stärker mit ihrem Charakter verbunden, der für sie eine Geschichte hat, und sie können sich selber beschäftigen und müssen nicht mit dauerndem Nachschieben von Inhalten im Spiel gehalten werden.

Ich bin in das RP mit „WoW“ eingestiegen. Zum Start von „WoW“ haben meine Liebste und ich überlegt, auf welchen Server wir gehen. PvP-Server kamen nicht in Frage, also blieb nur die Wahl zwischen PvE- und PvE-RP-Servern.
Meine Liebste wollte auf einen normalen PvE-Server, aber ich hatte bereits in der Beta gespielt und kannte den Umgangston dort. Also habe ich versucht, sie von einem PvE-RP-Server zu überzeugen (PvP-RP-Server gab es damals zum Start von „WoW“ gar nicht). Am Ende war sie dann dazu bereit. Ihre Bedenken lagen auch eher in dem Bereich: „Ich habe Angst, da etwas falsch zu machen“, weil sie sich im RP in einem Spiel gar nicht auskannte.

Wir haben diese Entscheidung nicht bereut. Ins Rollenspiel einzusteigen, hat uns sehr viel Spaß gemacht. Später hat sie sogar mehr Rollenspiel gemacht als ich.
Am Anfang war der RP-Server „Die Silberne Hand“ wirklich ein guter Server für Rollenspieler. Das änderte sich dann, als Blizzard mit steigender Kundenzahl meinte, auf den Mainstream setzen zu müssen. Die Regeln für Namen und Verhalten wurden geändert. Vielleicht wollte man auch Gamemaster sparen. Jedenfalls wurde der Server im Laufe der Zeit immer mehr zu einem normalen Server.

Auch in „Warhammer Online“ sind wir wieder auf einen RP-Server, aber das Spiel fesselte ja nicht lang. Da konnte das wirklich gute RP dort auch nicht helfen. In „Aion“ gab es nur den inoffiziellen RP-Server „Balder“. RP habe ich dort kaum erlebt.

Nun schauen wir voraus auf „Guild Wars 2“ und werden dort auf dem inoffiziellen RP-Server „Drakkar Lake“ spielen. Hier besteht sogar die Möglichkeit, daß einige Spieler von unserer alten „WoW“-Gilde zu uns stoßen.

ArenaNet konnte sich nicht dazu durchringen, Server mit einem offiziellen RP-Kürzel zu versehen. Einerseits verständlich, denn um einen RP-Server richtig zu betreiben, braucht es Regeln und einem Support, der diese auch umsetzt. Andererseits schade, denn es wäre eine Chance gewesen, „Guild Wars 2“ eben auch eine neue Seite in der Geschichte von Rollenspiel in MMORPGs aufschlagen zu lassen.

Antworten auf die Frage nach RP-Servern gab es übrigens nicht. Sie haben einfach mit Veröffentlichung der Serverliste klar gestellt, daß sie keine RP-Server haben werden.

Nun liegt es an der Community, den inoffiziellen RP-Server zu einem guten Server zu machen. Toleranz von beiden Seiten ist dazu wichtig. Natürlich wird es Fundamentalisten bei den RPlern geben und absichtliche Störer bei den Nicht-RPlern. Aber die große Masse der Community sollte sich in Toleranz üben, damit das Experiment „Drakkar Lake“ klappt.

Im Moment scheint er jedenfalls schon insoweit Wirkung zu entfalten, als z.B. die Gilde inyourfac3 ursprünglich auch auf „Drakkar Lake“ wollte, sich aber inzwischen umentschieden hat. Sie hätten da auch mit ihrem Roxxor-PvP-Image nicht hin gepaßt. Wenn man sich die anderen Gilden ansieht, die sich im Moment bei www.gw2guilds.org für „Drakkar Lake“ registriert haben, entfaltet der inoffizille RP-Server schon seine Wirkung. Ich finde das gut.

Natürlich werden viele Einzelspieler und Gilden, die sich vorher nicht informieren, auch auf „Drakkar Lake“ landen. Das hätte man nur einschränken können, wenn ArenaNet sich für den RP-Kürzel entschieden hätte. Nicht-RPler, die sich durch RPler gestört fühlen oder meinen, das WvWvW würde zu kurz kommen, wenn zu viele RPler auf einem Server sind, können sich jedenfalls bei ArenaNet beschweren, wenn sie unwissentlich auf „Drakkar Lake“ als Heimatserver landen.

Der „Kampf um den Rollenspielserver“ sollte also kein Kampf gegen irgend jemanden sein, sondern ein Kampf der Community für ein friedliches Zusammensein, daß allen möglichst viel Spaß im Spiel bringt.

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3 Antworten zu Der Kampf um den Rollenspielserver

  1. Dedalus schreibt:

    Rollenspielserver sind tatsächlich rar geworden, so wie auch Rollenspieler, die noch etwas eigene Phantasie mitbringen. Ich spiele zur Zeit auf Land of Elves (http://www.landofelves.net), einem WoW P-Server. Dort kann man RP und PVE in Ruhe machen und es sind spassige Leute dort. Leider immer zu wenige 🙂 Ich würde mir wünschen, dass wieder die alten Rollenspieler da wären, die auch noch eigene Geschichten umsetzen konnten. Früher ging das doch auch. Leider sind es die meisten nur noch gewohnt zu konsumieren.

    • jarlskor schreibt:

      Rollenspieler werden aber auch einerseits von den „normalen“ Spielern, andererseits von den Spieleentwicklern schlecht behandelt. Als ich mit Rollenspiel anfangen habe, war ich noch voller Enthusiasmus. Aber das hat dann irgendwann nachgelassen, als ich merkte, daß selbst die Firma, die RP-Server zur Verfügung stellt, eigentlich gar kein Interesse an Rollenspiel hat, sondern das nur macht, um Rollenspieler zu fangen.

      Schönes Projekt, was ihr da habt.

  2. Morlak schreibt:

    Darum macht es fast mehr Sinn Rollenspiel auf einem P-Server zu spielen, als auf einem kommerziellen Server. Die Betreuung und das Interesse ist einfach grösser, weil der Kommerzgedanke wegfällt. Der Nachteil ist halt, dass diese Server nie so viele Spieler haben wie die offiziellen.

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