Gut, daß ArenaNet keine Autos verkauft

Man stelle sich vor, ein Autohersteller, z.B. Opel, hätte ein neues Modell. Es ist noch nicht fertig, aber Opel verkauft es schon. Man zahlt jetzt und bekommt dann irgendwann, wenn es fertig ist, das Fahrzeug. Wann, sagt Opel nicht. Aber man bekommt es, wenn man es vorkauft, drei Tage früher, als es für die Anderen im Laden steht. Und man darf einen unfertigen Prototyp einmal im Monat jeweils ein Wochenende Probe fahren.

Würdet ihr das Auto kaufen?

ArenaNet macht mit „Guild Wars 2“ genau das. Und die Spieler reißen sich darum, jetzt schon Geld zahlen zu dürfen, obwohl man weder weiß, wann das Spiel erscheint, noch, wie z.B. solche Dinge wie der Cash Shop im Spiel tatsächlich aussehen.

Ich bin übrigens einer davon.

Warum machen wir so etwas? Warum lassen wir uns von der Spieleindustrie so am Nasenring führen, während wir es bei Sachen, wie einem Auto, kaum machen würden.

Hat das was damit zu tun, daß wir alle kleine Süchtel sind?

Ich weiß es nicht.

Was ich weiß, ist die Tatsache, daß NCSoft  bzw. ArenaNet einen möglichen Blockbuster auf der Pfanne haben und das ausnutzen. Man kann es ihnen nicht verdenken. Bleibt zu hoffen, daß dieses neue „Geschäftsmodell“, ein Spiel zu verkaufen, bevor es fertig ist, nicht Schule macht.

Als ich Ende der 80er Jahre mit dem Spielen angefangen habe, wurden die Spiele größtenteils fertig ausgeliefert. Dann kam die Möglichkeit, erst über CD, später DVD und schließlich über das Internet, Spiele releativ problemlos zu patchen. Seitdem sind die Hersteller immer mehr dazu übergegangen, unfertige Spiele an die Endkunden auszuliefern. Das sind fast fertige Spiele, aber auch schon Spiele im Beta- oder sogar noch Alphastatus.

Nun verkauft ArenaNet sogar ein Spiel, ohne es zu liefern. Ein Spiel, das noch in der Entwicklung ist. Das ist völlig neu. So etwas hat noch niemand gewagt. Und ArenaNet hat damit sogar Erfolg.

Wie gesagt, ich hoffe nicht, daß dieses Beispiel Schule macht. Denn andere Firmen, die nicht so vertrauenswürdig sind, wie NCSoft, könnten auf die Idee kommen, es nachzumachen. Und am Ende könnte es passieren, daß der Kunde für ein Spiel gezahlt hat, das niemals fertig ausgeliefert wird, weil der Entwickler nach dem Vorkauf z.B. Pleite gegangen ist, ohne das Spiel fertig stellen zu können.

Weit hergeholt? Sicher nicht, wie das Beispiel „All Points Bulletin“ gezeigt hat. Ein MMO Shooter, dessen Hersteller nach ein paar Monaten des Betriebs pleite gegangen ist und die Server abgeschaltet hat. Wie gesagt, es könnte sogar noch schlimmer kommen, wenn dieses Geschäftsmodell in der Branche Schule macht.

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7 Antworten zu Gut, daß ArenaNet keine Autos verkauft

  1. Boonus schreibt:

    Das noch nie angewandte Super neue Idee ein Spiel durch die Fans vor zu finanzieren ist ganz und garnicht neu. http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdfunding Wird zum Beispiel in der Indie Spiele Szene und auch bei anderen Kreativen Projekten wie Filmen, Buechern, Zeitschriften, Musikproduktionen und auch Spielen schon recht lange gemacht. Die grossen Firmen haben das meist nicht noetig, da diese oft einen Dicken Publisher im Hintergrund sitzen haben, der das Geld liefert und dann auch sagt das Ding laeuft schon ein bisschen also koennen wirs jetzt auf DVD quetschen und dann eben noch ein paar GB als Patch nachliefern.

  2. jarlskor schreibt:

    Ja, aber das ist doch etwas anderes. Da geben die Geldgeber ja ihr Geld vollkommen freiwillig. Und dem Entwickler fehlt das Geld. Er braucht diese Art der Finanzierung. Hier dagegen wird etwas von einem finanziell Potenten Publisher verkauft (Betazugung, Frühstart, Item).

    Man könnte beides natürlich kombinieren, z.B. ein Spiel durch Crowdfunding finanzieren und alle, die Geldgeber sind, bekommen dann Vorteile für das Spiel.

    Bei Minecraft wurde die Entwicklung ja auch durch die Spieleverkäufe finanziert. Da war es aber auch wieder anders, denn man bekam schon etwas, konnte das Spiel nach Erwerb spielen und es war sogar billiger als nach der Beta.

    NCSoft dagegen verkauft – im Moment – nur heiße Luft zum vollen Preis. Außerdem brauchen sie keine Finanzierung der Entwicklung. Es geht nur um Gewinnmaximierung.

  3. nomadenseele schreibt:

    Nicht, dass ich vorhätte das Spiel zu kaufen, aber warum kauft man etwas, von dem man nicht weiß, wie es werden wird. Ich tue mich schon bei Adventures ***(Da hat Tim Schäfer 3 Millionen Dollar über Kickstarter eingefahren!) schwer, etwas vorzufinanzieren; sicherlich auch
    Mentalitätssache, ich trenne mich ohnehin extrem ungerne von meinem Geld. Und da sehe ich es noch ein.

    ***
    http://www.adventure-treff.de/forum/viewtopic.php?f=1&t=19145

  4. jarlskor schreibt:

    Man weiß ja ungefähr, wie es werden wird. Die Entwicklung betreibt ArenaNet ziemlich offen.

    Im übrigen ist die Antwort: Der Hype macht es. 😉

  5. Boonus schreibt:

    Im Endeffekt ist es doch egal ob man ein Spiel vor veroeffentlichung kauft oder erst danach. Viele Spiele bieten ja nichtmal ne Demo an woran ich erkennen kann ob mir das Spiel gefallen wird oder nicht. Rezensionen usw. helfen mir dabei auch nicht unbedingt weiter beim beurteilen des Spiels. Ob ich nun ein Lets Play kucke oder in einer Zeitschrift, Blog usw. davon lese macht da nicht viel unterschied. Ich hab schon einige Spiel sehr gern gespielt die angeblich eine total schlechte Steuerung oder wasauchimmer haben sollten. Und auch das genaue Gegenteil erlebt, ein total schlechtes Spiel dass ueberall als das Wunderding angepriesen wurde.

    Von daher versuche ich immer erst mal ne Demo zu spielen von dem Titel der Wahl. Aussnahmen mache ich dabei nur bei Indie Spielen weil ich da schon viele Perlen gefunden habe neben viel Schlamm. Aber da bin ich gerne bereit meinen Teil dazu beizutragen, dass der Entwickler noch mehr tolles Produzieren kann. Nicht zuletzt weil ich auch mit Indie Spielen mein Geld verdienen will.

  6. nomadenseele schreibt:

    Im Endeffekt ist es doch egal ob man ein Spiel vor veroeffentlichung kauft oder erst danach.

    – Ich für meinen Teil warte immer gerne ab, was andere von dem Spiel halten, was für Bugs es gibt ect.

  7. jarlskor schreibt:

    @ Boonus

    Das kann ich voll unterschreiben.

    Ich bin doch auch gerne bereit, für ein gutes Spiel Geld auszugeben. Gerne auch als Vorfinanzierung.
    Nur NCSoft bzw. ArenaNet (eine Firma, die ich sonst sehr hoch schätze und die wirklich mit GW2 dem Markt neue Impulse geben kann), lassen mir nicht die Wahl, sondern zwingen mich quasi, für Vorteile Geld auszugeben. Geld, was sie noch dazu nicht unbedingt brauchen.

    Wie gesagt, ich hätte z.B. überhaupt kein Problem damit, wenn es so wie bei Minecraft laufen würde. Man kauft ein Spiel und kann es dann wirklich, wann man will, im Betastatus spielen.

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