Ist Gruppenspiel wirklich überholt?

MMORPG heißt ja bekanntlich Massively Multiplayer Online Role-Playing Game. Das RP kam den meisten MMORPGs schon vor langer Zeit abhanden. Rollenspieler, wie ich, sind eine kleine Minderheit. Das ist man als Rollenspieler auch gewohnt.

Nun scheint es, als würde im Gefolge von „World of Warcraft“ dem MMORPG auch das MM abhanden kommen. Was bleibt dann noch? Genau, das OG, also das Online Game.

Was meine ich damit, daß das MM abhanden kommt?
Ganz einfach. MMORPGs entwickeln sich immer mehr zum Einzelspielerspiel. Kam man früher nur in Gruppen weiter, so kommt man heute ohne jede Gruppe aus. An dieser Entwicklung war vor allem „WoW“ „schuld“. Wobei ich mit „schuld“ meine, daß „WoW“ diese Möglichkeit massiv ausgebaut hat.

Brauchte man am Anfang von WoW noch fast gleich eine Gruppe, um sich z.B. auf Allianzseite dem Elitegegner Hogger zu stellen, und setzte sich das fort, so kommt man heute auch ohne Gruppe auf Maximalstufe und kann trotzdem alle Quests erledigen. Das war für die kleineren Level folgerichtig, denn mit dem zunehmenden Alter des Spiels fanden sich einfach nicht mehr genug Mitspieler für levelnde Spieler.
Aber mit der zweiten Erweiterung „Wrath of the Lich King“ begann es, daß man auch Gegner im aktuellen Levelbereich der Erweiterung, die eigentlich als Gruppengegner gekennzeichnet waren, alleine besiegen konnte.

Das geschah alles auch auf Wunsch der Spieler. Kein Wunder, denn änderte sich mit der Massentauglichkeit von „WoW“, die natürlich auch in der Möglichkeit des Solospiels begründet lag, die Zusammensetzung der MMO-Spieler. Es kamen viele Spieler dazu, die es gewohnt waren, alleine zu spielen.

Jetzt laufen wir aber in eine Entwicklung, die für die MMO-Hersteller selber, wenn nicht bedrohlich, so doch problematisch wird. Soziale Kontakte sind der Kit, der MMORPGs zusammen hält. Spieler spielen – besonders Spiele mit Abonnement – weiter, weil sie die Kontakte zu Freunden und Gilde im Spiel halten, selbst wenn das Spiel längst langweilig geworden ist. Stellt ein MMO diese Kontakte erst gar nicht mehr her, weil man keine Mitspieler braucht und die Gilde nur noch Mittel zum Zweck wird, hin und wieder für einen Raid oder eine Instanz jemanden zu haben, geht dieser Kit verloren. Die Folge ist, daß wir immer mehr Spieler haben, die ein MMO kurz anspielen und dann zum nächsten weiterziehen.

Für solche ambitionierten Projekte wie „Star Wars: The Old Republic“ kann das tödlich sein, denn man braucht die langfristigen Abonnementsgebühren der Spieler. Spieler, die sich langfristig binden, sind die Zielgruppe und nicht die, die das Spiel durchspielen und sich dann dem nächsten zuwenden.

Allerdings übernimmt „SW:TOR“ die Probleme von „WoW“, was das Gruppenspiel betrifft und steigert sie sogar noch. Die Vollvertonung der Quests, DAS Alleinstellungsmerkmal von „SW:TOR“, ist wenig förderlich für das Gruppenspiel.

Einer, der die Dialoge wegklickt:

Ich bin normalerweise ein FAN von gruppen. Kommt auch daher weil ich die meiste zeit heiler oder tanks spiele und daher ohne gruppe wesentlich langsamer vorankomme.

Aber dadurch des es zu jeder quest elendslange dialoge gibt (nicht falsch verstehen, ich finde den ansatz gut) bin ich lieber alleine unterwegs.

Und einer, der sie hören möchte:

Ich habe in der Gruppe gespielt. Natürlich wollte ich die Dialoge anhören. Nach jedem Dialog stand im Chat „LEERTASTE!! LEERTASTE!!“. Tut mir leid – das Spiel gefällt mir zu gut, um mich durchhetzen zu lassen

Beide, stellvertretend für die jeweiligen Spielergruppen, haben ihre Probleme, wenn sie mit Spielern der jeweils anderen Spielergruppe unterwegs sind. Also verzichten beide eher auf Gruppen, als bei der Gruppensuche das zusätzliche Merkmal „Ich möchte Dialoge hören/nicht hören“ abklären zu müssen.

Es gibt eine immer größere Menge von Spielern, die nicht bereit ist, Zeit in ein Spiel in der Gruppe zu investieren. Zum Gruppenspiel gehört, auch mal auf den Mitspieler zu warten. Das akzeptieren heute nur noch die wenigsten. Daß man dafür mit einem guten Gruppenerlebnis belohnt wird, weiß auch kaum noch ein Spieler.

Wie wird nun die Zukunft von MMORPGs aussehen? Gibt es bald keinen Unterschied mehr zwischen ihnen und zwischen Einzelspielertitel mit Multiplayermöglichkeit?

Ich bin gespalten. Einerseits mag ich es als Gelegenheitsspieler, auch mal eine Stunden zwischendurch spielen zu können, statt davon 30 Minuten für die Gruppensuche zu brauchen und dann sowieso nicht fertig zu werden, weil ich aus dem Spiel wieder raus muß.
Andererseits mag ich das Gruppenspiel, denn nur dort kann man langfristige Kontakte zu anderen Spielern knüpfen. Denn das beste Band bildet sich, wenn man eine schwierige Aufgabe zusammen meistert.

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5 Antworten zu Ist Gruppenspiel wirklich überholt?

  1. nomadenseele schreibt:

    Ich habe in der Gruppe gespielt. Natürlich wollte ich die Dialoge anhören. Nach jedem Dialog stand im Chat „LEERTASTE!! LEERTASTE!!“. Tut mir leid – das Spiel gefällt mir zu gut, um mich durchhetzen zu lassen

    Beide, stellvertretend für die jeweiligen Spielergruppen, haben ihre Probleme, wenn sie mit Spielern der jeweils anderen Spielergruppe unterwegs sind. Also verzichten beide eher auf Gruppen, als bei der Gruppensuche das zusätzliche Merkmal „Ich möchte Dialoge hören/nicht hören“ abklären zu müssen.
    ____
    Das kann schon zu zweit zu einem Problem werden und dadurch ist mir über Jahre hinweg eine Menge Spielqualität verlorengegangen. Und auch wenn der andere Rücksicht nimmt, kann ich die Texte nicht in Ruhe lesen, wenn ich weiß, dass der andere nur wartet. So leid es mir tut, aber am meisten Spielspaß habe ich immer gehabt, wenn ich alleine spielen konnte. Es stoßen zu unterschiedliche Interessen aufeinander, als dass Gruppen / Gilden befriedigend sein können.

  2. jarlskor schreibt:

    Bei Leuten, die ich kannte, reichte meist ein: „Moment, ich möchte noch den Text lesen.“
    Aber bei Randomgruppen hatte auch ich immer ein Problem.

  3. nomadenseele schreibt:

    Beim 5 Jahren gemeinsamen Zusammenspiels würde ich nicht mehr von *Random* sprechen, sondern davon, dass man in entscheidenen Fragen nicht zusammen passt. Und ich lese den Text auch nicht gründlich *mit Genuß*, wenn ich weiß, dass der andere mit den Füßen scharrt.

    Genau wie ich alleine ganz anders queste, nämlich nach Questreihen und nicht danach, ob eine andere Quest gerade noch auf dem Weg liegt. Ganz heftig war es während TBC, als ich mit Noma nicht wusste, warum ich etwas mache, dies erfuhr ich dann, als ich meine Schurkin levelte.

    Gemeinsam dauerhaft spielen mag bei Lebenspartnern – bei denen ich voraussetzt, dass sie die gleiche Lebenseinstellung haben – funktionieren, aber bei Fremden / Onlinepartnern wird sich auf Dauer immer einer dem anderen mehr oder weniger unterwerfen müssen. Und für mich kann ich nur sagen, dass ich mir die ganze Zeit vorkam wie ein geprügelter Hund – sicherlich war es irgendwo praktisch und jenseits des Spiels verstehen wie und auch sehr gut, aber im Spiel habe ich massiv gelitten.

    Genau wie in Gilden: Es ging immer darum, zu gucken, dass man nicht ausgebeutet wird. Wenn es so läuft, dass ich immer Hilfe leiste, nie Hilfe bekommen, wenn exakt die gleichen Leute ihren Mains on waren und diese nur mit ihren Freunden gegangen sind – was soll ich dann mit theoretischen Begriffen wie *Gruppenspiel* anfangen? Und das war bis auf in einer Gilde in allen das gleiche Muster. Ich habe es damals wirklich gehasst, aber rückblickend war die beste Gilde, die ich hatte, eine Raidgilde, in der man sich ausserhalb der Raids nicht kannte.

    Deswegen finde ich es heute ideal: Unverbindlicher Finder, loses *Freundes*netzwerk, fertig. Wer die menschliche Natur kennenlernen möchte, sollte MMOs spielen.

  4. nomadenseele schreibt:

    So ist es lesbarer: und jenseits des Spiels verstehen wir uns auch sehr gut

  5. nomadenseele schreibt:

    Nachtrag: Den Nachteil von Gruppenquests erlebe ich gerade selber: Ich habe die Cata-Gebiete nicht durchgequestet und dementsprechend auch die neue Arena-Quest nicht gemacht. Ich bleibt mir wenig anderes über, als mühsam Leute zu suchen oder die Aufgabe auf nächstes Addon zu verschieben.

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