Tagesquests – Horror oder Segen?

Was fällt einem MMO-Entwickler ein, um Spieler zu beschäftigen, die nicht per Raid oder Gruppe Instanzen abfarmen wollen?

TAGESQUESTS!!!

Ja, das ist die Lösung!

So mag irgendwann einmal ein MMO-Designer gedacht haben und seitdem kopieren es alle. Ich bin diesen Tagesquests das erste Mal in World of Warcraft begegnet, aber vielleicht kann mich jemand schlau machen, daß es sie schon früher gab.

Was sind diese Tagesquests nun?
Ganz einfach. Man hat eine gewisse Zahl an Quests, die man nur einmal pro Tag absolvieren kann, dafür aber jeden Tag wieder. Der Tagesquest und seine Brüder und Schwestern vom Wochenquest und Dreitagesquests usw. haben also zwei Dinge gemeinsam:

1) Wiederholbarkeit

Die Quests sind wiederholbar. Man kann – wohl eher muß – sie immer wieder machen.
Das hat für die Entwickler den Vorteil, daß sie sich die Quests nur einmal ausdenken müssen, sie aber die Spieler – theoretisch – immer wieder aufs Neue beschäftigen.
Für jede Erledigung bekommt man eine gewisse Anzahl einer Belohungswährung, die man dann gegen irgend etwas eintauschen kann.

2) Bindung an eine Zeitspanne

Die Quests kann man nicht so oft hintereinander machen, wie man will, sondern höchstens einmal in 24 Stunden (beim Tagesquest).
Quasi ist das die Bremse für Vielspieler, die verhindern soll, daß Vielspieler alles schneller abschließen. So können die Entwickler besser planen, wann die Spieler mit den Tagesquests „durch“ sind, d.h. wann sie sie so oft wiederholt haben, daß sie alle Belohungen dafür kassieren konnten. Hier fällt das weg, was sonst ein Problem bei solchen Einschätzungen darstellt, nämlich das persönliche Element, wieviel Zeit Spieler haben und wieviel Zeit sie brauchen, um etwas abzuschließen. Bei Tagesquests ist für jeden der „Faktor Zeit“ gleich. Egal ob man 1 Stunde für die Quests braucht oder 3 Stunden. Egal, ob man danach noch Zeit zum Spielen hat oder ob die Quests die ganze Spielzeit „fressen“. Die Entwickler wissen genau, wann sie neuen Inhalt in Form von neuen Tagesquests nachschieben müssen.

Und für die Spieler, wie ist das da?
Manche Spieler sind froh über Tagesquests. Sie haben nach dem Leveln weiter etwas zu tun. Und sie bekommen Belohnungen.
Andere Spieler finden es fade, jeden Tag das Gleiche zu machen, denn auch wenn sich Tagesquests abwechseln, irgendwann hat man alle gesehen.

Dave „Fargo“ Kosak, der Lead Quest Designer für World of Warcraft, schreibt im WoW-Blog, was Tagesquests für Gelegenheitsspieler sein sollen, die nach dem Leveln nichts mehr zu tun haben:

  • Teilnahme an einer epischen Geschichte
  • Ein Gefühl des Vorankommens
  • Jeden Tag etwas neues oder unerwartetes entdecken
  • Charakteranpassungen (einschließlich toller Reittiere!)
  • Lustige Spielzeuge erwerben
  • Seinen Charakter stärker machen

Das klingt doch gut, oder? Aber schauen wir es uns einmal genauer an:

Ist es Teilnahme an einer epischen Geschichte, jeden Tag die gleichen Quests zu machen, bis man zu neuen Tagesquests weitergereicht wird, die man freigeschaltet hat?

Gibt es ein Gefühl des Vorankommens, wenn man sich jeden Tag mit dem gleichen Zeug abplagt und dafür Belohnungen erhält, die schwächer sind als die, die andere in Instanzen bekommen?

Hat jemand schon einmal Tagesquests gemacht, der davon redet, daß man da jeden Tag etwas neues oder unerwartetes entdecken kann?

Joo, neue Reittiere. Vielleicht auch Wappenröcke oder sonstigen Ramsch. Braucht das noch jemand?

Lustige Spielzeuge…
Treffen sich ein Vielspieler und ein Gelegenheitsspieler auf einem Schlachtfeld in WoW:
Vielspieler: „Hey, guck mal. Ich habe eine Axt, die bei einem Schlag 3/4 Deiner Lebenspunkte wegnazzt“
Gelegenheitsspieler: „Hey, guck mal. Ich habe ein lustiges Spielzeug.“
*BATSCH*
Und schon kann sich der Gelegenheitsspieler, während er auf dem Friedhof abgefarmt wird, an seinem lustigen Spielzeug erfreuen.

Seinen Charakter stärker machen? Das ist – leider – relativ. Blizzard hat nie – bis auf das Ende von Classic WoW, als die PvP-Belohnungen für alle erreichbar waren – und wird nie Gelegenheitsspielern die gleichen Belohnungen geben wie Vielspielern, die sich durch (Raid-)Instanzen schnetzeln.

Also was sind Tagesquests nun, Horror oder Segen?
Bis auf die Spieler, die gerne jeden Tag stupide farmen, sind sie für die Spieler ein Horror, aber für die Entwickler ein Segen. Denn was macht ein Spieler, der nichts mehr zu tun hat? Genau, der kündigt den Account.

Und wenn man genau hinsieht, stellt man auch fest, daß ein Teil der Gelegenheitsspieler von WoW sich nicht mehr mit Tagesquests abspeisen läßt. Nicht von ungefähr sind die Abonnentenzahlen wieder auf den Stand vor Cataclysmus abgesunken.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter MMO allgemein, World of Warcraft abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Tagesquests – Horror oder Segen?

  1. nomadenseele schreibt:

    Wobei bei Tages-Quests auch die Umgebung entscheidend ist: TB habe ich mir gefallen lassen, weil die Umgebung ansprechend ist; Tiefenheim hat mich dazu gebracht, den Account auslaufen zu lassen – häßliche Umgebung, miese Bezahlung, immer die gleichen Quests; davon brauche ich erst einmal Pause.

    Ansonsten ist das, was er geschrieben hat, einfach weltfremdes Gelaber; ich mache die Quests mit einem Gewissen Vergnügen, wenn ich einen Fortschritt (Ruf, Punkte) ect sehe, aber irgendwann ist diese Phase vorbei und dann wird es sehr, sehr langweilig.

  2. jarlskor schreibt:

    Ich bin kein Gegner von Tagesquests und Farmen ganz allgemein. Hin und wieder mache ich es gerne. Aber wenn es als quasi einziger Spielinhalt verkauft wird, macht mich das sauer.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s