Free to play – Seuche oder Segen?

„Free to play“, auch deutsch „frei zu spielen“. Immer mehr Spiele schwenken auf dieses Geschäftsmodell um, wie demnächst auch das MMORPG Age of Conan. Es soll im Sommer 2011 f2p werden.. Ich hatte dieses Geschäftsmodell ja in meinem Beitrag Free to play? bereits aufgegriffen.

Grundsätzlich habe ich nichts gegen das Geschäftsmodell. Allerdings gibt es dort mehr schwarze Schafe als sonst in der Spieleindustrie. Entweder sind es wenig erfolgreiche Spiele, die zu diesem Modell neigen oder Titel, die billig extra für diesen Markt produziert werden.

Auch  die zwei bekanntesten früheren Bezahl MMOs, „Herr der Ringe Online“ und „Age of Conan„, die nun bald beide im Hybridmodell, entweder mit Abonnement oder f2p zur Verfügung stehen, gehören dazu. Genau wie „APB“, über dessen Closed Beta ich kürzlich berichtet habe.

Eines gemeinsam haben alle diese Bezahlmodelle. Es wird kein echtes Geld im Shop ausgegeben, sondern irgendeine spielespezifische Währung, die man sich vorher für echtes Geld kaufen muß. Das wird z.B. damit begründet, daß es ja so einfacher wäre. Echtes Geld würde die Atmosphäre im Spiel stören. Außerdem hätte man sonst eine Menge von Minitransaktionen, die die Anbieterfirma Geld koste.

Das letzte Argument stimmt sogar. Bei jeder Transaktion, z.B. über Kreditkarte oder Paypal, fließt ein Teil des Geldes an den Zahlungsanbieter. Je kleiner der Betrag, desto größer ist dieser Anteil, weil immer eine gewisse Grundgebühr da hineinfließt. Es ist also für den Zahlungsempfänger günstiger, 1 x 50,- € zu bekommen, als 10 x 5,- €.

Nur… das ist noch kein Grund, wieso dann eine Umrechnung von echtem Geld auf die Shopwährung des Spielebetreibers erfolgt. Genauso gut könnte dem Spieler auf seinem Shopkonto ein echter Geldbetrag gut geschrieben werden, über den er dann im Shop verfügen kann.

Hier kommt nun der wahre Grund, weswegen eine Shopwährung eingeführt wird. Die Spieler sollen den Überblick über ihre Ausgaben verlieren. Das geht natürlich einfacher, wenn sie statt 7,84 € für eine neue Rüstung im Shop 149 „Guggu“(bzw. Name der Währung eines beliebigen f2p-Titels einsetzen)-Points zahlen müssen. Denn wer macht sich dann schon bewußt, daß 1 „Guggu“-Point ungefähr 0,0526 € sind?

Dadurch, daß die wahren Kosten verschleiert werden, geben manche Spieler mehr aus, als sie wollen und als sie ausgeben würden, wenn der reale Preis auf dem virtuellen Gut stehen würde.

Laut Statistik geben nur ca. 1/3 der Spieler eines f2p-Titels auch Geld für das Spiel aus. Dafür gibt aber dieses Drittel viel mehr Geld aus, als sie es in einem Spiel mit einem Abo-Modell tun würden.
Und gerade f2p-Titel – und davon wiederum die schlechteren – sind darauf ausgerichtet, daß Spieler sich für Geld echte Vorteile im Spiel erkaufen können. Denn das ist die hauptsächliche Kundenschicht: Spieler, die sich Vorteile erkaufen, weil sie aus bestimmten Gründen entweder diese Vorteile nicht erspielen können oder – ganz im Sinne des Spieleanbieters – unfaire Vorteile über ihre nichtzahlenden Mitspieler haben wollen, weil sie sonst kein Land gegen diese sehen.
Ich will das nicht verallgemeinern, denn gerade als Gelegenheitsspieler, der meist mehr Geld und wenig Zeit hat, ist man versucht, sich Vorteile zu erkaufen. Aber es sind doch eher die schlechteren Spieler, die sich diese Vorteile erkaufen und Kunden der f2p-Anbieter werden. Darunter gerade die, die es sich eigentlich am wenigsten leisten können, nämlich sehr junge Spieler oder die, die durch den Erfolg im Spiel ihr Versagen im realen Leben ausgleichen wollen.

Was ist free to play nun? Segen oder Seuche?
Das läßt sich pauschal nicht beantworten. Es kann beides sein.

Was ich aber sicher sagen kann: Man muß aufpassen, für was man sein Geld ausgibt. Und gerade Eltern sollten schauen, daß ihre Kinder von den schlechteren f2p-Titeln, die wirklich nur auf Abzocke ausgelegt sind, die Finger lassen. Dazu gehört natürlich eine gewisse Medienkompetenz der Eltern.

Aber das ist eine andere Geschichte…

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