Spaß ist das Wichtigste

Sollte nicht für alle Spielerinnen und Spieler Spaß am Spiel das Wichtigste sein?

Wenn man sich viele Spiele anschaut, ist das scheinbar nicht das erklärte Ziel der Entwickler. Ich nehme mal den Branchenprimus „World of Warcraft“. WoW beschäftigt seine Spieler nach einer relativ kurzen Levelphase (früher war sie mal viel länger) mit einem Endgame, in dem man immer die gleichen heroischen Instanzen farmt, um Marken zu bekommen. Mit kostenlosen Patches kommen neue Raid-Instanzen, aber diese heroischen „Farminstanzen“ bleiben immer gleich. Im PvP sieht es nicht anders aus.

So hat WoW das Wort vom „Erarbeiten“ von Ausrüstung geprägt.

Aber ist „erarbeiten“ das, was Spieler in einem Spiel suchen, womit sie ihre Freizeit verbringen wollen? Ich glaube nicht.

In MMOs hat es sich so eingebürgert, daß man „arbeiten“ muß, um einen Fortschritt des eigenen Charakters zu sehen. Das hängt damit zusammen, daß ein Spiel, das auf ein Abosystem aufbaut, die Spieler beschäftigt halten muß. Ansonsten könnten sie ja den Account kündigen und der Entwickler bekommt kein Geld mehr.

WoW macht es seinen Spieler dabei noch relativ leicht. Ich spiele ja derzeit Aion, und das ist, obwohl es andauernd an den westlichen Markt angepaßt wird, noch zeitaufwendiger, besonders auch im Endgame. Man kann dort ungemein viel Ingame-Geld und damit reale Zeit verbraten, wenn man Ausrüstung sockeln oder verzaubern will, denn das kann schief gehen und dann sind alle teuren Materialien weg.

Die Entwickler können sich bei diesem System sicher sein, daß sie dafür sogar Zustimmung von einer Anzahl Spielern ernten. Das sind die Spieler, die der Meinung sind, daß Erfolge im Spiel, besonders die, die sie sich „erarbeitet“ haben, eben Zeit kosten müssen. Da ist davon die Rede, daß andere für Nichtstun alles haben wollen, ohne dafür etwas zu tun. „Nichtstun“ heißt für diese Spieler natürlich nur, daß andere nicht so viel tun, wie sie, um sich etwas zu „erarbeiten“.

Oder wie es der Spieler Danwedh im Aion-Forum ausdrückte:

Du sollst nichts geschenkt bekommen, dir soll nichts in den Schoß fallen. Willst du etwas, so arbeite hart und lange dafür. Es kann nicht sein, dass einer der nur 1-3 Stunden am Tag „spielt“, genau das gleiche bekommt wie jemand der 7/10 und mehr Stunden am Tag „spielt“. Das ist ja wohl unfair und geht schon mal gar nicht.

Das ist dann „Arbeit“, wie sie meist nur Spieler „leisten“ können, die neben dem Spiel kein Privatleben haben. Mit Familie, Freunden, einem Partner oder einer Partnerin, die nicht ebenfalls spielt, ist so etwas nicht zu schaffen. Das sehe ich z.B. an zwei bekannten Pärchen von uns. Seit sie Nachwuchs haben, sieht man sie kaum noch im Spiel. Vorher waren sie sehr aktiv.

Danwedh schreibt weiter:

In der Regel verhält es sich so, dass der durchschnittliche Spieler einfach ein Abwechslung zum täglichen Einheitsbrei sucht. Er will einfach nur eine positive Freizeitgestaltung. Er ist sogar bereit dafür Geld zu bezahlen. Wie bei so vielen Dingen im Leben, will er aber auch eine Gegenleistung dafür und dies durchaus zu Recht.

Besser könnte ich das auch nicht ausdrücken. Der Durchschnittsspieler mag im Spiel nicht „arbeiten“. Er nimmt diese „Arbeit“ höchstens auf sich, um einigermaßen mithalten zu können. Das habe ich auch so gemacht, bis ich gemerkt habe, daß es mir am Ende nichts bringt, Dinge zu tun, die keinen Spaß machen, um irgendwo mithalten zu können und ein wenig Spielspaß zu erreichen. Die Relation stimmte einfach ab einem bestimmten Punkt für mich nicht mehr.

Ich vermute, das sehen viele Spieler ebenso. Nur sind sie meist die schweigende Mehrheit, die leise den Account kündigt. Auch hier zitiere ich wieder Danwehd:

Dadurch dass der geneigte Freizeitspieler sich eben nicht als Lautsprecher betätigt und daher auch keine Lobby hat, wird auch in den wenigstens Fällen auf ihn eingegangen. Der Anbieter tappt im dunkeln und wundert sich warum trotz aller Maßnahmen, die er ergreift die Spielerzahlen Monat für Monat weniger werden.

Das ist durchaus ein Problem der Betreiber von MMOs. Allerdings ist es für die, die genau hinsehen, ersichtlich, was schief läuft. Spieler müssen mit Spaß bei der Sache sein. Wer Schranken vor diesen Spaß baut, sagt damit nur, daß er dem Unterhaltungswert des eigenen Spiels nicht traut.

Ich spiele den Shooter Battlefield Bad Company 2. Da hat man relativ schnell die gesamte erreichbare Ausrüstung zusammen. Danach spielt man nur noch, um gut zu sein, sich zu beweisen. Man kann es, wenn man schlecht ist, nicht auf die „Ausrüstung“ schieben. Aber man kann sich so, ohne Ausrüstungsunterschiede, auch gut mit anderen vergleichen und versuchen, besser zu werden. Auch wenn man nur eine Stune am Tag spielt, kann man gut sein. Das macht Spaß.

ArenaNet will mit „Guild Wars 2“ genau diesen Spaß aufgreifen. Man kann von Stufe 1 sofort ins PvP und alle sind dort gleich.
Im PvE kann man eine eigene Geschichte erleben, die Welt erforschen, aber auch in Instanzen gehen oder Handwerk machen. Alles führt zum Erfolg. Der Spieler wird nicht gebremst oder bestraft. Ausrüstungswerte sind nicht so wichtig, aber man kann Ausrüstung mit unterschiedlichem Aussehen „erjagen“.
Kurz: Es ist keine Arbeit, sondern Spaß am Spiel, wie immer man es auch spielt, was ArenaNet mit GW 2 bieten will.

Jon Peters dazu in einem Interview bei buffed:

Das wichtigste bei Guild Wars 2 ist, dass wir nicht von einem „Endgame“ sprechen. Das bedeutet, dass sich das Spiel nicht plötzlich total verändern soll, bloß weil man das Maximallevel erreicht hat.

Ich bin gespannt, ob hier wirklich ein Anbieter ist, der das durchzieht und den Spaß vor das „Erarbeiten“ setzt. Und ich bin gespannt, wie das bei den Spielern ankommt. Ist so ein System bei dem durchschnittlichen WoW-Spieler, der „Arbeit“ im Spiel gewohnt ist, überhaupt durchsetzbar?

Einen großen Vorteil hat ArenaNet jedenfalls. NCSoft will auch hier, wie beim ersten Teil, nicht auf ein Abomodell setzen, sondern auf Mikrotransaktionen. Man kauft das Spiel und dann kann man sich Dinge für das Spiel dazu kaufen. Aber man muß nicht.
Auch heute noch kann ich bei GW 1 bloß das Hauptspiel kaufen und muß keines der Addonpackungen erwerben. Anders als bei WoW, wo man praktisch gezwungen ist, die Addons zu kaufen, da alte PvE-Inhalte verschwinden oder man im PvP mit Addon-Spielern zusammen geworfen wird, gegen die man keine Chance hat, weil sie ein höheres Level oder neue Ausrüstung des Addons haben.

Aber ArenaNet will natürlich mit Addons Geld verdienen. Es ist ja eine der wichtigen Möglichkeiten, mit einem Spiel ohne Monatsgebühren an Geld zu kommen. Viele Spieler sollen das Addon kaufen, aber es ist kein Zwang. Kaufen tun Spieler aber nur, wenn sie Spaß am bisherigen Spiel haben und wenn das Addon wirklich Neues bietet, nicht ein paar neue Farminstanzen.

Es bleibt zu hoffen, daß ArenaNet erfolg hat und daß sich dadurch in der Branche wirklich etwas ändert.
WoW ist der Höhepunkt der MMOs alten Stils. Jetzt muß etwas Neues kommen. Und man weiß nie, vielleicht liefert es AreaNet mit „Guild Wars 2“, vielleicht aber auch Blizzard mit dem neuen „Titan“.

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2 Antworten zu Spaß ist das Wichtigste

  1. slimboo schreibt:

    mich hat es schonmal von wow weggezogen weil ich nach dem einloggen garkein spass hatte, sondern das gefühl hatt „arbeiten“ zu müssen obwohl ich doch gerade von der arbeit nach hause gekommen bin und entspannen wollte

    beispiel:
    18: zu hause angekommen, schnell daily quest und bisl farmen
    19 uhr: raid geht los – den ganzen abend konzentrieren und leistung abliefern
    23 uhr: raid ist vorbei, man beredet und diskutiert den gildenstand, eventuelle fails im raid usw,
    24 uhr: man geht pennen, hat vielleicht noch eine hero nach dem raid gemacht

    es wird leute geben die sicher mehr und intensiver geraidet haben, ich hab das nur ca 1-1,5 jahre so gemacht und es hat mir den spielspass genommen

    mit cataclysm bin ich wieder eingestiegen und habe mir versprochen nur noch das zu machen worauf ich lust habe

    das war zunächst leveln, dann viel pvp (ja rated bg gruppen sind zum teil auch arbeit, aber die ersten 3 monate hat definitiv der spass überwogen) und mittlerweile auch wieder twinken (mal horde statt wie bisher immer ally)

    mal schauen wie lange mir da noch der spass bleibt 🙂

  2. jarlskor schreibt:

    Ich habe gerade gestern nochmal darüber geredet. Ich hatte am Anfang von WoW richtig Spaß an Instanzen. Das wurde zum Ende meiner Spielzeit aber immer weniger, weil einmal die Instanzen nicht mehr so schön waren und dann auch gildenintern ein Zwang aufkam, möglichst viele Instanzen zu machen, um sich auszurüsten.

    Am Ende führte das dazu, daß ich mich immer ungerner einloggte. Da habe ich dann meinen Schlußstrich gezogen.

    Ich hoffe aber, in meinem nächsten Spiel werde ich den Spaß wiederfinden.

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