Einfach, einfacher… doof

Heute sind mein Thema mal wieder die neuesten Änderungen bei „World of Warcraft“. Ich lese, daß der Hexenmeister demnächst eine Widerbelebungsmöglichkeit im Kampf bekommt, wie sie auch der Todesritter schon erhalten hat. Der Jäger muß nun seinen Begleiter nicht mehr füttern, um ihn zufrieden zu halten, so daß er nicht wegläuft.

Jäger sind ein komisches Völckchen, zumindest die in WoW. Früher, als die Schwarzfelsspitze noch Blackrock Spire hieß, mußten die Jäger, bevor man zum Kampf mit Rend Blackhand in die Arena sprang, ihr Tier wegpacken, weil es nicht mitsprang, sondern durch die ganze Instanz rannte und dabei einen Schweif an Mobs hinter sich her zog, der dann der Gruppe den Gar aus machte.
Dieser Fehler wurde später von Blizzard korrigiert, aber was blieb, waren die Reaktionen von Jägern, wenn man sie mal bat, aus einem bestimmten Grund ihr Tier wegzupacken. Ich kann mich da einen einen Jäger aus meiner Gilde erinnern, die ich auch privat kannte. Ein ganz normaler Typ, aber wenn es in WoW um „sein“ Tier ging, wurde er zur reißenden Bestie.

Von ihm und vielen anderen habe ich den Eindruck mitgenommen, daß Jäger(spieler) ein bißchen merkwürdig sind. Das lag nun aber nicht unbedingt an den Spielern -obwohl, um Jäger zu werden, mußte man schon einen Hau weg haben – sondern eher an der Spielmechanik in WoW. Die vermittelte für den Jäger eine enge Bindung mit seinem Tier. Wie froh war man, wenn man auf Stufe 10 die Klassenquest abgeschlossen hatte, und sein Tier zähmen konnte. Da fing die Qual der Wahl an. Aber man fieberte auch darauf zu. Ich weiß noch, wie ich mit meinem Zwergenjäger in Dun Morogh anfing und erst ins Bett ging, als ich „mein“ Tier hatte, obwohl ich eigentlich schon Stunden hätte darin liegen müssen. Heute kriegen Jäger, wie ich las, ihr Tier gleich auf Stufe 1.

Und dann das Füttern, um das Tier zufrieden zu halten. Man konnte als Jäger sein Tier opfern, um das eigene Fell zu retten. Das Tier beschäftigte z.B. verfolgende Mobs und ging selber drauf, um einem die Flucht zu ermöglichen.
Aber wenn das Tier starb, wurde es „unzufriedener“. Nur Füttern brachte dann die Zufriedenheit wieder hoch. Machte man das nicht, wendete sich das Tier schließlich gegen einen und verschwand. Eine nahezu „menschliche“ Reaktion, die mir vielleicht deswegen auch so symphatisch war.

Das „Füttern“ war eine Strafe dafür, wenn man nicht sorgsam mit dem Tier umging und es starb. Dadurch war das Verhältnis zum Tier ein anderes als z.B. in WAR, wo man als „Weißer Löwe“ sein Tier als fire-and-forget-Waffe einsetzen konnte. War der Löwenbegleiter tot, beschwor man einfach einen neuen. In WoW dagegen war durch diese sehr gute Spielmechanik das Tier ein Teil des Jägers und es enstand während der gemeinsamen Abenteuer eine Bindung, auch wenn es sich um ein NPC-Fellknäul gehandelt hat, was da mit einem rumzog.

Natürlich brauchte das Futter Platz im Inventar und da die Tiere auch nicht alles fraßen, sondern jede Tierart andere Anforderungen hatte, mußte man auch schon mal farmen, um Tierfutter zu haben. Ich kann mich da noch an eine Jägerin erinnern, die in der Zwergenhauptstadt Eisenschmiede immer um Futter für ihr Tier bettelte.
Aber das Mitführen von Tierfutter, ebenso wie die Tasche, in der man Munition haben mußte, machte eben den Jäger aus.

Blizzard macht das nun alles weg und Jäger sind nicht mehr Jäger.

Die „alten“ Spieler sehen das durchweg so, wie in den Foren zu lesen ist, z.B.:

Ich für meinen Teil finde es sehr schade das immer mehr Kleinigkeiten die eigentlich nicht stören aus dem Spiel genommen werden. Solche Dinge stören doch nur die Sorte von Spielern denen auch das eigene Atmen zu anstrengend ist. …
All diese kleinen Dinge, die wohl die meißten von Euch nicht vermissen werden, werde ich sehr schmerzlich vermissen. Denn in ihrer Gesamtheit ergeben sie, na, wer hat es erraten… sie ergeben das Spiel.

oder dieser ironische Beitrag

All dieser komplizierte, unnötig verwirrende „Jägerkram“ muß weg! Andere Klassen haben schließlich auch langweilige Begleiter, die ihnen völlig zu recht scheißegal sein dürfen.
Dazu Blizzard Lead Außendienstfaildesigner Karlheinz Krawuttke, Ömmelshausen: „Wir denken, daß die Spieler an dem neuen System viel Freude haben, zumal in Verbindung mit der neuen, vereinfachten Spielmechanik: 1) Autoshot ein 2) Autoshot aus 3) Special: irgendwas cooles ‚Jägermäßiges‘ machen (21,7 min Abklingkeit). Ein wenig sind wir selbst von unserer Genialität überrascht — denn seit es die Änderungen auf den PTR geschafft habt, gab es bisher keine einzige Beschwerde irgendeiner anderen Klasse. Wir wurden praktisch mit Lob überschüttet. Das ermutigt uns zu weiteren Schritten. Ihr dürft gespannt sein!“

WoW verliert mit jeder Änderung, die das Spiel „einfacher“ macht, an Flair. Und gerade dieser Flair war es, der mich und Millionen andere Spielerinnen und Spieler so an dieses Spiel gefesselt hat.

Wollen die jetzigen Spieler wirklich nur ein fastfood MMO, daß jeder Doofe spielen kann?

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8 Antworten zu Einfach, einfacher… doof

  1. Pingback: Der stumme RP Aspekt | Rote Rüben

  2. mairym schreibt:

    Jäger(spieler) müssen einen Hau weg haben!? Das hab ich aber überhört!!! pah! *gespielte Empörung deluxe*

    Ich lese selten Patchnotes und ich weiß auch warum… ich ärger mich im Vorfeld über was, was ich ohnehin nich ändern kann. Und dennoch krieg ich dann doch wieder solche Dinge mit und ja… ich finds blöd. Jetzt hab ich so viele Rinderbraten von meinen Gildenmitgliedern bekommen, die meinem Fuchs was gutes tun wollten… und das war jetzt fürn A… *hmpf*

  3. vierzwo schreibt:

    Jarkslor hat die Beziehung eines Jägers zu seinem Pet ja schon sehr schön beschrieben und als alter Waidmann kann ich das nur bestätigen. Mein derzeitiges Raidpet ist immer noch die „stinknormale“ Katze, die ich seinerzeit in der Nähe von Auberdine nach einer „langen“ Questreihe gezähmt habe. Zu WotLK-Zeiten ´mal gegen einen räudigen Wolf (wg. buff und so) ausgetauscht, aber nach Angleichung der Petfähigkeiten mit release von Cata wieder aus dem Stall geholt. Immerhin kann man den pets noch Namen geben und irgendwie fühle ich mich immer noch ein wenig mies, wenn das pet ins Gras beißt (ist mir bei den Hexer-pets schnurzpiepegal). Gefüttert habe ich mein pet schon lange nicht mehr dank entsprechender Glyphe, aber auf seinen Zufriedenheitsstatus habe ich – nicht nur wg. dmg-buff – immer geachtet, schade, dass es nun anders wird.
    Grüße

  4. jarlskor schreibt:

    Die Hexerpets benehmen sich ja auch so, daß man sich fast wünscht, daß sie ins Gras beißen. 😉

  5. nomadenseele schreibt:

    Das „Füttern“ war eine Strafe dafür, wenn man nicht sorgsam mit dem Tier umging und es starb.
    ____

    Ich weiß nicht, ein Bär von mir ist seit seiner Zähmung dauerbeleidigt. *Den Puh machen* ist schon ein fester Begriff geworden.

    Wobei auch durch die Erhöhung der Pets die Bindung verloren geht – die Kernmannschaft bedeutet mir eine Menge, während ich zum Rest kaum ein Verhältnis habe.

  6. jarlskor schreibt:

    Ich habe meinen Jäger nicht viel gespielt. Allerdings sind mir meine zwei Tiere, ein weißer Bär und die „Geisterkatze“ aus Auberdine ans Herz gewachsen. Ich hatte mir auch noch diesen schwarzen Löwen aus dem Brachland besorgt, aber da man nur wenige Plätze hatte und ja auch noch einen frei halten mußte, wenn man ein Tier zähmen wollte, um neue Fähigkeiten zu lernen, sind es dauerhaft nicht mehr geworden.

    Mit der Zufriedenheit hatte ich nie Probleme. Allerdings war meine Liebste auch begeisterte Köchin und drängte mich immer, den Jäger zu spielen, wenn mal wieder zu viel Essen da und die ganze Gilde satt war.

    Wie viele Plätze für Pets gibt es denn inzwischen?

    • Kai schreibt:

      Inzwischen gibt es 5 Begleiterplätze sowie 20 Stallplätze. Man kann also als Jäger derzeit 25 Tiere sein eigen nennen.

      lg

      Kai

  7. jarlskor schreibt:

    Ohje, wer braucht den so viel Platz?

    Ich hatte schon früher Mühe, Tiere auf mein Level zu bekommen. Wie sieht das erst mit 25 aus.

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