Können, nicht Ausrüstung soll entscheiden

Die Neuigkeiten zu Guild Wars 2 sprudeln wieder stärker. In einem Podcast, dessen Übersetzung bei Wartower zu lesen ist, gaben Verantwortliche von Arenanet nun ein paar Infos zum PvP.

Was da gesagt wurde, begeistert mich, denn es spricht mir aus dem Herzen:

Im strukturierten PvP wird euch von Anfang an alles zur Verfügung stehen. Wenn man PvP spielen will, sollte man nicht etwas anderes tun müssen, um spielen zu können. Das gesamte Spiel ist so aufgebaut. Wenn man nur WvW spielen will, kann man mit Level 1 dorthin gehen und da bleiben. Man kann einfach den Teil des Spiels spielen, der einem Spaß macht. Das ist das Wichtigste. Wir wollen aber nicht, dass sich jemand durchs PvE grinden muss, um im PvP Leute umhauen zu können. Das macht unserer Ansicht nach keinen Spaß.

Man bekommt also eine Standardausrüstung und kann sich damit ins PvP stürzen, ohne PvE gemacht zu haben. Die Forderung nach einer Standardausrüstung habe ich ja ewig in WoW gestellt. Der Grund dort war die Chancengleichheit, aber dazu unten mehr.

In WoW tauchte dann die Frage, vor allem bei Spielern, auf:

Manche fragen sich: Warum soll man PvP spielen wenn es damit nichts zu holen gibt? Weil man es will!

Das klappt natürlich nur, wenn das PvP Spaß macht. In WoW z.B. ging und geht wahrscheinlich immer noch ein großter Teil der Spieler nur ins PvP, um sich dort auszurüsten. Das führte dann dazu, daß man Spieler hatte, die kein Interesse am PvP hatten und AFK (away from keyboard = weg von der Tastatur) Ehre gegrindet haben. Oder wenn sie mitspielten, hatten sie keine Ahnung und auch kein Verständnis vom PvP.
Mitverantwortlich war aber auch der PvP-Ansatz in WoW. Es machte keinen Spaß. Mit schlechterer Ausrüstung war man nur Opfer. Man starb sich durch, statt mitzuspielen. Das mußte man machen, um an bessere Ausrüstung zu kommen.

Ganz wichtig ist folgendes:

Wir wollen nicht, dass ihr über die Zeit hinweg die Power eures Charakters erhöht. Wir wollen, dass ihr euer Können verbessert. Das führte dann zu der Entscheidung, jeden mit den gleichen Vorraussetzungen anfangen zu lassen. Jeder bekommt die gleiche Ausgangsbasis und wird durch sein eigenes hinzugelerntes Können besser.

Die meisten MMORPGs mit PvP-Anteil sind ja so aufgebaut, daß man Ausrüstung als Belohnung fürs PvP bekommt. Je besser man also im PvP ist, desto bessere Ausrüstung bekommt man. Ist man schlechter, bekommt man die Ausrüstung entweder gar nicht oder viel langsamer. Da in MMOs viel auch noch an Zeitaufwand gekoppelt ist, bedeutet es zudem meist, daß Gelegenheitsspieler, die weniger Zeit investieren können, meist deswegen zu den „schlechteren“ Spielern gehören.

Das führt dazu, daß bessere Spieler immer besser werden und schlechtere immer schlechter, denn irgendwann ist die Ausrüstung der besseren Spieler, die deswegen mehr gewinnen und schneller oder überhaupt bessere Ausrüstung bekommen, so gut, daß sie kaum noch zu schlagen sind.

Für die einen entsteht eine Spirale nach oben, für die anderen führt sie nach unten. Je ausrüstungslastiger dann ein Spiel ist, desto uninteressanter wird PvP für schlechtere Spieler. Das ist z.B. in WoW, WAR und Aion so. Diese Liste ließe sich aber noch weiter fortsetzen.

Als ich vorher im Interview gelesen habe, daß Guild Wars 2 sehr viel über Items machen will…

Das ist, denke ich, auch OK so, denn wir wollen diese tiefgreifende Charakterentwicklung über Items und wir wollen diese Art von Spielweise.

…  hatte ich schon die Befürchtung, daß es auch wieder ein solches PvP gibt. Aber nein, dies gilt nur fürs PvE. Da kann ich damit leben, auch wenn es mir nicht sonderlich gefällt.

Im PvP wird es auf das Können des Spielers ankommen und auf die Erfahrung, die ein Spieler gesammelt und durch die er besser geworden ist. Wer also gut im PvP ist, der hat es sich verdient und nicht durch zusammengefarmte Ausrüstung erreicht.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu anderen MMOs und ein großer, wenn nicht der Schritt hin zu fairem PvP.
Wenn ich also in GW 2 mies im PvP bin, weiß ich, woran es liegt. Es liegt daran, daß ich mies spiele, nicht daran, daß ich die schlechtere Ausrüstung habe. Auch hier lehnt sich GW 2 wieder an das Ego-Shooter-Genre an. Dort spielt Ausrüstung eine eher untergeordnete Rollen. Wichtig ist, daß man das Spiel beherrscht.

Guild Wars 2 könnte mit diesem Konzept die PvP-Referenz im MMO-Genre werden. Es könnte aber auch die Spieler abschrecken, die eben kein Können haben, sondern durch ihre Ausrüstung das PvP dominieren wollen. Machen wir uns nichts vor. Auch wenn ich es nicht befürworte, es gibt im MMO-Bereich eine Menge Spieler, die wollen gar kein faires PvP, keine Herausforderung. Die wollen andere dominieren.

Im Shooter-Genre gibt es diese Spieler auch, aber sie haben hier ein schlechtes Image. Es sind nämlich diejenigen, die Cheats und Hacks, z.B. Aimbots benutzen, mit denen sie mit einer Schrotflinte aus 200 Metern gegnerische Spieler am Kopf treffen.

Der Weg, den ArenaNet geht, bietet also nicht nur Chancen, sondern auch (finanzielle) Risiken.

Immer vorausgesetzt, ich verstehe den Ansatz von ArenaNet richtig, ist es solches System im PvP allerdings auch sehr unkompliziert zu balancen. Man schaue sich die Probleme von Blizzard in WoW an, vor denen sie oft schon kapituliert haben. Da hatte PvE-Ausrüstung erhebliche Auswirkungen auf das PvP, z.B. als der Schaden durch neue Raid-Ausrüstung so hoch wurde, daß keine Abhärtung mehr etwas nutzte.
ArenaNet umschifft diese Klippe gekonnt, indem sie PvP und PvE strikt trennen. Egal, wie gut meine PvE-Ausrüstung ist, sie hat keine Auswirkungen aufs PvP. Damit spart man sich natürlich eine Menge Balancing-Arbeit.

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