PvP ist kein Krieg

Ich mache gerne PvP. PvP macht mir Spaß, weil auf der Gegenseite keine miese Künstliche Intelligenz (KI) ist, sondern menschliche Spieler, die nicht immer intelligent, aber unvorhersehbar agieren. Die KI ist eben vorhersehbar und hat man mal erkannt, wie sie reagiert, kann man diese Vorhersehbarkeit ausnutzen.

Es macht mir außerdem Spaß, mich im PvP mit anderen Spielern zu messen. Ja, und… sie zu erledigen. Ein alter PvPler (ja, noch älter als ich geht ;-)) sagte mir einmal: „PvP machen heißt nicht siegen, sondern verlieren und sterben. Erst wenn Du das gelernt hast, macht Dir PvP Spaß.“ Was er damit meinte, war, daß es primär auf das Gewinnen gar nicht ankommt, sondern darauf, zusammen Spaß zu haben.

Dieser Spaß ist aber ein Punkt, den heute viele vergessen. Es geht nicht mehr darum, zusammen Spaß zu haben. Man will nur noch gewinnen. Viele betrachten PvP nicht mehr als eine Möglichkeit, sich mit anderen, gleichstarken Gegnern zu messen, sondern als Möglichkeit, andere in den Boden zu stampfen und darüber ihr Ego zu polieren.

Auf dieses „neue“ PvP gehen viele Spieledesigner, besonders im MMO-Bereich, sogar noch ein. Da bekommen Spieler, wenn sie gewinnen, Ausrüstung als Belohnungen, die ihren Avatar verbessern. Damit werden ihre Gewinnchancen beim nächsten Mal noch weiter gesteigert. Die Verlierer werden nicht oder geringer belohnt, was ihre Chancen, zu verlieren, noch weiter erhöht.
Ich sage damit nicht, daß man Verlieren höher belohnen sollte als Gewinnen. Es muß aber ein Ausgleich vorhanden sein. Es bringt nichts, die Seite, die sowieso gewinnt, immer besser zu machen und die andere immer schlechter. So zerstört man auf lange Sicht das Gleichgewicht im PvP, besonders wenn man Fraktionen hat, auf die sich die Siege und Niederlagen ungleich verteilen.

Viele Spieler rechtfertigen ihr Verhalten damit, daß ja „Krieg“ sei. Das nenne ich asozial, weil sie nicht mehr die Gemeinschaft sehen, sondern nur ihre Fraktion.  Natürlich ist in PvP-Spielen meist „Krieg“, weil das als Erklärung dafür dient, daß man sich die virtuellen Köpfe im PvP einschlägt. In diesem Krieg sei dann alles erlaubt, weil das ja auch im realen Leben so sei. Man rechtfertigt damit z.B. auch, daß man als hochleveliger Spieler niedriglevelige Spieler umhaut. „Rekruten“ würden ja im Krieg auch getötet.

Diese abstrusen Begründungen ließen sich noch endlos fortsetzen. Diese Spieler übersehen aber, daß ein Spiel, in dem eine Seite den „Krieg“ gewonnen hat, weil sie die andere Seite vernichtet hat, auch ihr Spielerlebnis im PvP beendet.

Die Folgen, über die ich schon berichtet habe, erlebt gerade mein Aion-Heimatserver Balder. Jetzt wurde sogar von den Communityverantwortlichen von NCSoft im TS mit beiden Fraktionen gesprochen. Ein Ergebnis ist nicht zu abzusehen, weil die Entscheidungen bei NCSoft letztlich in Korea getroffen werden und nicht im Westen.

Obwohl ich zuerst immer Designfehler anprangere, die es beim PvP oft gibt, würde zu einer Lösung aber auch gehören, daß die Spieler lernen, daß PvP eben kein Krieg ist, sondern beiden Seiten Spaß machen soll. Dafür muß man als überlegener Spieler auch einmal zurückstecken und sogar verlieren. Wer genug Selbstbewußtsein hat und sich das nicht in einem Spiel holen muß, ist dazu auch in der Lage.

Leider scheinen das heuzutage die wenigsten Spieler zu sein.

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