Supergau der WoW-Story

Ich kann nicht alles wissen, zumal von einem Spiel wie WoW, daß ich nicht mehr spiele. Deswegen bin ich froh, wenn ich Tipps bekomme. Ich danke meinem Leser Zauma deswegen ausdrücklich für den Hinweis, auf dem dieser Beitrag beruht.

Aber nun zum Thema:

Daß Blizzard die Hintergrundgeschichte seiner World of Warcraft noch nie so eng gesehen hat, konnten Fans dieser Geschichte schon mit dem ersten WoW Addon „Burning Crusade“ feststellen. Da wurden aus den bösen Draenei plötzlich Mitglieder der Allianz. Gerüchteweise hörte man, daß die Blutelfen eigentlich als neues Allianzvolk vorgesehen waren und die beschwanzten und gehörnten Draenei als Verstärkung zu Horde sollten. Nur gab es damals eben ein Übergewicht an Allianz auf allen WoW-Servern, das dazu gezwungen hat, etwas für die Fraktionsbalance zu tun. Und da soll Blizzard einfach die Völker vertauscht und die attraktiven Blutelfen zur Horde verschoben haben. Für die Draenei mußte dann eben eine andere Hintergrundgeschichte her.

Man muß dazu wissen, daß Blizzard ursprünglich die Lizenz von Games Workshop für die Warhammer-Welt wollte, um darauf seine Spiele zu gründen. Das hat nicht geklappt und so hat man seine eigene Warcraft-Welt gemacht, die aber, wenn man genau hinschaut, sehr viele Ähnlichkeiten mit der Warhammer-Welt aufweist. Warhammer weichgespült könnte man es auch nennen.

Mit dem neuesten WoW-Addon „Cataclysm“ führt Blizzard gewertete Schlachtfelder ein. Allerdings tritt man dort nicht mehr gegen Spieler der gegnerischen Fraktion an, sondern kann auch auf Gegnerteams aus der eigenen Fraktion treffen.
Vom spieltechnischen Standpunkt ist diese Entscheidung zu verstehen. Gab es anfangs einen Allianzüberschuß, so führt nun, dank Fraktionswechsel, die Horde. Das führt natürlich auch dazu, daß die Hordler entsprechende Wartezeiten haben. Das wäre natürlich auch gewerteten Schlachtfeldern auch so. Es würde sich sogar noch stärker auswirken, denn das Matchmaking-System könnte ja, wenn es denn funktioniert, nur gleichwertige Teams der gegnerischen Fraktion zuordnen. Deswegen übernahm Blizzard das System der Arena, so daß man auch auf den gewerteten Schlachtfeldern gegen die eigene Fraktion antreten kann.

Hier kommen wir aber nun zur Geschichte. Was in der Arena noch geht – als Söldner der Goblins macht man das eben – ist für die Schlachtfelder eine Unmöglichkeit. Gerade die Schlachtfelder sind von ihrer Hintergrundgeschichte her auf den Kampf der Fraktionen ausgelegt. Im Arathibecken kämpfen Untote gegen Menschen, in der Warsong-Schlucht Elfen gegen Orks. Aber demnächst kämpfen Allianzler für die Untoten gegen andere Allianzler, um den Nachschub an die Front durchzubringen. In Warsong kämpfen Nachtelfen gegen die Allianz für die Abholzung des Waldes und Orks für den Schutz des Waldes gegen die Horde.

Natürlich geht es den meisten Spieler gar nicht (mehr) um die Geschichte der Welt, in der sie sich bewegen. Wie ein Spieler einmal so schön in einem Forum formulierte:

Man könnte auch Stühle, Fragezeichen oder Eichhörnchen als Bossgegner hinstellen, Hauptsache sie droppen episch.

Trotzdem ist diese Wendung etwas, was die letzten, denen die Story noch etwas bedeutet, verschrecken wird. Hätte ich nicht längst mit WoW aufgehört, wäre das jetzt der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brächte.

Ich habe in Classic-WoW Southshore gegen die Hordler verteidigt und Tarrens Mill angegriffen, bevor das PvP mehr wurde als nur ein reiner Spaß. Ich habe im alten PvP-System einen Titel erkämpft. Auch wenn es nur ein niedriger Offiziersrang war, war mir der Titel mehr Wert als die blaue Ausrüstung, die es dafür gab. Ich habe Sturmwind gegen Raids der Horde verteidigt und mich durch die Kanäle nach Unterstadt gekämpft. Man hatte damals einfach Fraktionsstolz. Man begegnete auch dem „Feind“ mit Ehre und betrachtete ihn nicht als reinen Punktelieferanten.

Und ich habe damals, bevor ich mich ins PvP-System stürzte, beim Friedensmarsch nach Orgrimmar mitgemacht. Meine Liebste hat für alle Teilnehmer noch weiße Roben geschneidert und sie auf dem Marsch verteilt.

Das war die Zeit, als die Geschichte von WoW noch lebte…

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7 Antworten zu Supergau der WoW-Story

  1. anotherexwowfan schreibt:

    Für Rollenspieler und Storyliebhaber sind die PvP-Änderungen sicher ein Schlag ins Gesicht. Von der „Ehre“ ist leider nicht viel mehr geblieben. Für epicgeile Dauer-PvP-Zocker, die das Wort Story nicht mal buchstabieren können, sind Änderungen aber sicher von Vorteil.

  2. slimboo schreibt:

    man kann bei den gewerteten schlachtfeldern übrigens nicht auf die eigene fraktion treffen

    was vll. für die story gut ist, aber für das spielerlebnis nicht…. weil man so weniger spiele möglich macht (längere warteschlangen)

  3. jarlskor schreibt:

    Es wundert mich, daß sich Blizzard da nicht an die eigene Ankündigung gehalten hat. Aber vielleicht kommt das noch.

    Eine einfache Lösung wäre, die Charaktere einfach anders aussehen zu lassen. Das ging ja bei dem Netherdrachenquest in „Burning Crusade“ schon und bei einigen anderen Quests/Instanzen, z.B. in den Höhlen der Zeit.

    Allerdings habe ich gelesen, daß die gewerteten Schlachtfelder sich auch scheinbar keiner großen Beliebtheit erfreuen.

    Wie lang sind denn die Warteschlangen derzeit?

  4. slimboo schreibt:

    Es gibt ein Problem mit den Warteschlangen bei der Horde, deshalb ja auch die Idee mit den Fraktionskämpfen. Dazu gibt es interessante posts auf arenajunkies sowohl auf us als auch eu realms.

    Es gi´bt einfach massig mehr Stammgruppe als bei der Allianz. So kriegt ne all-grp teils instant invites während hordler bis zu ner halben stunde warten müssen.
    Man kann sich ja denken, dass dann einigen entnervt aufgeben.

    Ob beliebt oder nicht ist schwer zu sagen, weil nirgends irgendwelche rankings oder listen zu finden sind (im gegensatz zu arena). Mir persönlich macht es eine menge spass und mit unserer stammgruppe spielen wir so viele bgs wie schon seit laaaangem nicht mehr. Die Langzeitmotivation kommt hier sicherlich auch durch die möglichen Erfolge/Titel/Belohnungen. Wir haben mal durchgerechnet dass man wahrscheinlich an die 500 gewonnene Kömpfe braucht um in die oberen Ränge aufzusteigen.

  5. jarlskor schreibt:

    Der Grund, warum es im PvP mehr Horde als Allianz gibt, dürfte die PvP-Überlegenheit der Horde von Anfang an sein. Dazu gibt es viele Theorien, ich habe es damals (ich habe sowohl bei der Horde als auch bei der Allianz gekämpft) so empfunden, daß die Horde die besseren Spieler hat, die im Team spielen können, während bei der Allianz viele ihr Ding durchziehen (zergen).

    Schon zu dieser Zeit haben viele gute PvPler, dich ich kannte, zur Horde gewechselt, auch wenn sie dann einen neuen Charakter hochspielen mußten. Und mit der Einführung des Fraktionswechsels durch Blizzard sind alle Dämme gebrochen.

    Da müßte sich Blizzard im Namen des Fraktionsgleichgewichts überlegen, ob sie die Situation nicht so lassen und dadurch wieder Druck auf Spieler ausüben, zur Allianz zu wechseln.

  6. slimboo schreibt:

    ich finde das interessant was du schreibst

    diese frage habe ich mir nämlich schon immer gestellt, und ja was du da sagst stimmt halt schon

    übrigens gibt es schon zumindest auf unserem realm nicht gerade wenige spieler die wegen den rated bgs auf ally getranst sind

    netter nebenverdienst für blizzard im übrigen…
    ich selbst habe erst vor kurzem für den wechsel von mensch zu gnom aus pvp gründen 20 euro bezahlt

    die rassenfähigkeit „jeder für sich“ also eine bei menschen eingebaute insignie wurde von 2 auf 3 minuten abklingzeit erhöht – damit schlechter als die schmuck insignie (2 min cd)

    nun soll demnächst ein patch kommen, der aus den 3 minuten wieder 2 macht… hust

  7. jarlskor schreibt:

    netter nebenverdienst für blizzard im übrigen…

    Stimmt, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Natürlich macht es für Blizzard Sinn, solche Ströme an Wechslern auch zu erzeugen, denn das bringt Geld in die Kasse.

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