Käferbefall

Ich merke immer wieder, daß ich inzwischen aus einer anderen Zeit komme. Aus einer Zeit, in der es kein Internet gab. Für viele junge Leute heute sicherlich unvorstellbar. Besonders aus einer Zeit ohne Mobiltelefon. Man war nicht immer und überall erreichbar. War man vom eigenen Telefon mit Wählscheibe weg, war es das mit Erreichbarkeit. Und telefonierte die Mama mit ihrer besten Freundin, war die Leitung belegt und man konnte warten, aber meist war es schneller, wenn man kurz mit dem Fahrrad zum Freund rüberfuhr und mit ihm sprach, statt auf das Freiwerden der Telefonleitung zu warten.

Wie ich schon in meinem Beitrag über die Katze im Sack geschrieben habe, begann mit dem Internet die große Zeit des Käferbefalls von Spielen (Bugs). Und in dieser Zeit leben wir immer noch.

Bug oder Feature?

Oft ist es gar nicht mehr so leicht für den Spieler, zwischen einem Bug und einem gewollten Feature im Spiel zu unterscheiden. Zumal die Hersteller gerne ihre Bugs im anderen Gewand verkaufen.

In war inzwischen in vielen Betas von Onlinespielen. Dort findet man immer wieder die Art Tester, die Fehler damit entschuldigen, daß in anderen Spielen ja auch am Anfang Fehler vorhanden waren. Nur lassen sich die Hersteller auf diese Argumente ein, kann es ihnen passieren, daß die Mehrheit die schweigenden Spieler dann mit den Füßen abstimmt, d.h. den Accountkündigungsknopf anklickt. Das andere Mist bauen ist keine Entschuldigung, das auch selber zu machen. Außerdem ist der Markt so sehr belegt, daß ein WoW es heute genauso schwer hätte, Kunden zu erobern, wie es andere, neue MMOs heute haben.

Es sollte daher schon im Eigeninteresse der Hersteller sein, möglichst Spiele ohne Käferbefall heraus zu bringen. Vielleicht kommen wir ja durch das neue Geschäftsmodell, daß THQ angekündigt hat, dazu. Auch beste Spiele sollen nicht mehr an die 50,- € oder mehr kosten, sondern um die 30,- €. Dafür sind sie im Inhalt beschnitten und Spieler müssen sich, wenn ihnen das Spiel gefällt, Zusatzinhalte dazu kaufen.

Das klingt vielleicht erstmal nach Abzocke und sicher wird ein solches Spiel mit den zukaufbaren Inhalten am Ende teurer als ein Vollpreistitel alter Art. Aber es zwingt die Industrie auch, fehlerfrei zu arbeiten und Qualität zu liefern. Denn niemand kauft sich Zusatzinhalte für ein Spiel, daß ihm nicht gefällt oder das bugverseucht ist.

Ein Beispiel, das mir in den letzten Jahren aufgestoßen ist, war Empire aus der Total War Reihe von The Creative Assembly. Es ließ sich die ersten Monate überhaupt nicht spielen. Manchmal waren die Patchversuche so desaströs, daß es davor lief, aber danach nicht mehr, bis ein zusätzlicher Notpatch kam. Auch jetzt hat das Spiel noch Fehler, die nicht ausgemerzt sind, obwohl sie lange bekannt sind, z.B. kann man seine Festungsmauern nicht mehr reparieren, wenn sie in einer Belagerung zerschossen wurden.
Ich liebe diese Reihe und war ein großer Fan, aber dem nächsten Teil, so gut er auch aussieht, stehe ich mit Vorsicht gegenüber.

Von daher, wenn das Geschäftsmodell von THQ sich durchsetzt oder eben das f2p-(besser: frei zu Testen-)Modell im MMO-Bereich, kann das nur gut für uns Spieler als Kunden sein.

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