Das Geschäftsmodell von Guild Wars 2

Ich hatte ja kürzlich etwas über Guild Wars 2 als die neue Hoffnung geschrieben. Nun, Hoffnung kann auch trügerisch sein und der Community, die sich auf Guild Wars 2 freut, machen die Aussagen zum Geschäftsmodell, insbesondere zu den Transmutationssteinen, Sorgen.

Nochmal kurz als Erinnerung. John Hargrove machte zuerst im ArenaNet Blog Ausführungen zu den Transmutationssteinen:

Es war uns klar, dass wir beim Voranschreiten in Guild Wars 2 unseren Spielern zutrauen mussten dass sie selbst wissen, wie sie aussehen wollen. Deswegen führen wir ein System namens Transmutation ein. Mit diesem Transmutationssystem werdet ihr in der Lage sein neue Gegenstände namens Transmutationssteine im Ingame-Store zu erwerben, mit Hilfe derer ihr euren Charakter anpassen könnt. Bei der Transmutation nehmt ihr zwei Gegenstände der gleichen Sorte, wählt den aus, der euch optisch mehr anspricht und wählt danach den aus, der euch von seinen Werten her besser gefällt. Dann kombiniert ihr ganz einfach diese beiden Gegenstände zu einem einzigen und habt damit hoffentlich eure Traumwaffe oder -rüstung.

Das gab einen Aufschrei in der Community und deswegen ruderte man bei ArenaNet ein wenig zurück. Eric Flannum beantwortet die Frage nach der Erhältlichkeit von Transmutationssteinen ein Wochenende nach dem obigen Blogeintrag in einem neuen Q&A im Blog wie folgt:

Wir haben uns noch nicht endgültig auf die Preise der Transmutationssteine festgelegt. Wir sind auch noch nicht sicher ob Transmutationssteine außerhalb des Stores zu erhalten sein werden. Es gehört aber schon zu unserer Philosophie dass Spieler auf irgendeine Weise auch über den Spielverlauf an Gegenstände wie die Transmutationssteine kommen sollten, nicht nur durch einen Einkauf im Store. Wir werden später noch einmal detaillierter darüber reden, wenn wir uns auf eine endgültige Vorgehensweise festgelegt haben.

Das klingt schon wieder anders, als „nur im Ingame Store erhältlich“. Aber es ist noch nicht das letzte Wort gewesen. Colin Johanson, ArenaNets Lead Content Designer, für GW2 gab MMORPG.com auf der New York Comic Con ein Interview, in dem er auch folgendes sagte:

Ich kann nur sagen, dass wir über die Umwandlungssteine schon ein bisschen geredet haben, dass sie in dem Shop zu kaufen sein werden und dass wir damit einen Teil unseres Versprechens halten werden: wir werden in dem Shop nichts verkaufen, was man braucht, um das Spiel zu spielen.

Und auf die Frage, ob die Transmutationssteine auch im Spiel erhältlich sein werden, antwortete er so:

Das ist etwas, über das wir zu dieser Zeit noch nicht sprechen.

Gesprochen hatten sie zu der Zeit schon darüber. Aber scheinbar wurden sie auf dem falschen Fuß erwischt und waren auf die heftige Reaktion der zukünftigen Kundschaft nicht vorbereitet.
Was man daraus schließen kann, ist, daß ArenaNet die Steine sicher im Shop anbietet, aber durch die Reaktion in der Community nun darüber nachdenkt, sie vielleicht auch im Spiel erhältlich zu machen.

Wartower.de nahm die Sache inzwischen zum Anlaß für die Kolumne State of the Game PvE #40: Luxussteuer. Diese Kolumne ist sehr interessant zu lesen, geht sie doch auf die heutigen Geschäftsmodelle für PC-Spiele, nicht nur MOOs, ein.
Auch der ärgste Spielefan darf nicht vergessen, daß es den Entwicklern letztlich nur um eines geht, nämlich um sein Geld.

Trotzdem geht der Kolumnenschreiber etwas zu weit, wenn er behauptet:

Die Transmutation geht an die Substanz des Spiels, sie korrodiert die Struktur der Rüstung als Belohnung, indem sie ein Preisschild daran haftet.

Vielleicht bin ich die große Ausnahme, aber ich sehe es nicht als selbstverständlich an, daß man sich das Aussehen der Rüstung, die man trägt, aussuchen kann. In WoW mußte ich oft genug in und mit häßlichen Dingern rumlaufen, weil sie ausrüstungsmäßig das Beste waren, was ich kriegen konnte. Als Rollenspieler hatte man dann noch sein „RP-Sachen“, also eine Ausrüstung, die gut ausgesehen hat, bei der die Werte egal waren.

In Aion hatte ich das erste Mal die Möglichkeit, das Aussehen meiner Ausrüstung zu ändern, indem ich einen Skin von einer Ausrüstung auf eine andere übertrage. Ich spiele das Spiel nun seit über einem Jahr und habe diese Funktion noch nie genutzt. Meine Liebste, der ich gerade die 48er Ketten-Ausrüstung geschmiedet habe, will die Möglichkeit nun das erste Mal nutzen, weil ihr die Beinrüstung dieses Sets zu häßlich ist.

Von daher frage ich mich, ob wirklich die abendländische Spielerschaft zusammenbricht, wenn sie für Transmutationssteine Geld ausgeben muß.
Natürlich könnte ein böser Entwickler das dann nutzen und die Anfängerausrüstung zur schönsten Ausrüstung im Spiel machen. Alles, was dann kommt, wäre häßlich und der arme Kunde müßte, wollte er das Aussehen dieser Anfängerrüstung behalten, von Level 1 an in Transmutationssteine investieren. Man könnte das dann noch schlimmer machen, indem jedes Level eine neue Ausrüstung nötig ist.

Aber mal ehrlich, wer glaubt daran?
Ganz abgesehen davon, daß die Spieler dieses System dann auch irgendwann verweigern würden. Klar gibt es immer welche, die es voll nutzen und das Geld zum Fester herauswerfen, aber wirtschaftlich interessante Geschäfte macht man nur, wenn die Masse der Spieler auch mitmacht, und so etwas würde die Masse verweigern.

Wie ArenaNet sagt, das Aussehen der Ausrüstung ist nicht wichtig, um das Spiel durchzuspielen.
Die einen werden die hochstufigen Rüstungssets schön finden, die anderen häßlich. In WoW mußte man damit leben, daß man Sachen trug, die dem feuchten Traum eines größenwahnsinnigen Jünglings entsprungen zu sein schienen. In GW2 wird man es ändern können, man muß aber nicht.
Notfalls legt man sich zwei Ausrüstungen zu, trägt die eine zum Kämpfen und die andere, um etwas herzumachen.

Ich selbst würde hin und wieder etwas Geld im Ingame-Shop lassen, wenn ich den Eindruck hätte, daß es sich in Grenzen hält und daß ich etwas dafür bekomme. Es hängt natürlich im wesentlichen auch vom Preis der Transmutationssteine ab. Das wird noch eine interessante Geschichte. Ich möchte nicht der sein, der sich die Preise einfallen lassen muß.

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