Die Katze im Sack

Früher war es so, dass auf Märkten auch Tiere verkauft wurden. Also Kaninchen, Hasen oder Ferkel. Diese Tiere waren ziemlich teuer und wurden in einen Sack gepackt, damit der neue Besitzer sie so mitnehmen kann. Manchmal waren die Tiere aber auch schon im Sack, als sie verkauft wurden. Und wenn der Besitzer dann zu Hause nachgesehen hat, fand er statt des Ferkels oder Hasen eine einfache Katze. Der Verkäufer hat ihn also ausgetrickst, weil er das Geld für ein Ferkel bekommen, aber nur eine billige Katze abgegeben hat. Deshalb sagt man noch heute „Die Katze im Sack kaufen“ wenn man etwas erwirbt, was man vorher nicht genau angeschaut hat.

Würden Sie diese „Katze im Sack“ kaufen? Vielleicht habe Sie es bereits. Lesen Sie mal…

Auf diese alten „Bräuche“ greift die Spielebranche heutzutage verstärkt zurück. Wir sind im Zeitalter der Multi-Millionen-Doller-Projekte. Konnte man sich früher noch einen Flop leisten, wird so etwas heute für die Branche immer schwerer erträglich. Dabei rede ich natürlich von teuer produzierten Vollpreistiteln und nicht von der billigen Browserspiel-Massenware.

Da wir aber auch im Zeitalter der schlecht programmierten, verbuggten Spiele sind, muß die Branche neue Wege suchen, um Spieler dazu zu bringen, diese Produkte zu kaufen.
Nur „alte“ Spieler erinnern sich an die Zeit, als das Internet noch ein teures Vergnügen für Freaks war. Damals kaufte man ein Spiel und wenn es nicht in Ordnung war, stand man da. Es gab keine Möglichkeit, sich mal schnell einen Patch (englisch = Flicken) zu laden, der ein Problem behob. Genauso wenig konnte der Hersteller mal schnell einen vorher übersehenen Fehler nachpatchen. Lief ein Spiel nicht, stufte der Kunde es als Fehlkauf ein und ließ in Zukunft die Hände von Produkten dieses Herstellers.

Dann gab es die Zeit, in der Spielemagazine begannen, ihre Werke mit CD als Datenträger zu verkaufen. Das eröffnete den Herstellern die Möglichkeit, Demos ihrer Spiele unters Volk zu bringen, aber auch, Fehler durch Patches zu beheben. Diese Patches waren wenige, denn dieser Betriebsweg war immer noch mühsam und erforderte, daß man Fehler sammelte. Trotzdem erreichte man nicht jeden Kunden und so war es auch hier noch unbedingt erforderlich für einen guten Ruf, ein sauber programmiertes Spiel abzuliefern.

Jetzt haben wir das Internet mit dicken Datenverbindungen (jedenfalls bei vielen Nutzern, während andere noch mit Modem oder ISDN rumkriechen). Das führt dazu, daß Patchen sehr leicht ist. Dazu kommen Plattformen wie Steam oder Blizzards Battlenet, die Patches automatisch an alle Nutzer verteilen. Was früher unmöglich war, wird nun als Service angepriesen und von vielen Spieler wohl auch so gesehen: Man bringt ein unfertiges Spiel heraus und patcht es noch am ersten Tag nach. Der Spieler installiert also das Spiel und zieht sich danach dann gleich einen Patch, um es spielen zu können.

Aber es gibt auch vernünftige Spieler, die bei so etwas nicht mitmachen und warten, bis das Spiel lauffähig ist. Die gehen dann als Käufer am Releasetag oder kurz danach verloren, und gerade auf diese Käufer hat es die Branche abgesehen. Vor allem die Marketingstrategen und Buchhalter. Denn ein Spiel muß möglichst schnell die Kosten wieder einspielen. Außerdem ist die Halbwertszeit gering. Die meisten Spiele sind nur einige Monate zum Vollpreis zu verkaufen und rutschen dann ins Billigsegment. Und obwohl die Branche es mit Accountbindungen und allem möglichen anderen verhindern will, gibt es auch noch den Gebrauchtspielemarkt. Und nicht zuletzt kann sich rumsprechen, daß das Spiel dann doch nicht so gut ist oder welche Fehler vorhanden sind und so potentielle Käufer abschrecken. Communityforen und Bewertungslisten wie bei Amazon sind inzwischen ein besserer Gradmesser für die Qualität von Spielen als mancher professioneller Testbericht in Spielemagazinen.

Warten aber zu viele mögliche Käufer ab, bis das Spiel bugfrei ist oder sie sich aus den Äußerungen derer, die das Spiel schon haben, einen Eindruck machen können, dann führt das zu finanziellen Einbußen beim Hersteller. Man muß also Spieler dazu bringen, ein Spiel zu kaufen, über dessen Qualität sie noch nichts wissen.

Und jetzt kommen wir zum Kern der Sache. Immer mehr Spiele werden mit exklusivem Inhalt für Vorbesteller angeboten. Das macht die Branche, damit man genau das tut, was man nicht sollte: Die Katze im Sack kaufen.
Und nun zur Frage am Anfang: Haben Sie schon einmal die Katze im Sack gekauft.
Ich schon…

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter MMO allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Die Katze im Sack

  1. Pingback: Abzockhammer Online | Jarlskor's Casuals Gamer's Hell

  2. Pingback: Käferbefall | Jarlskor's Casuals Gamer's Hell

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s