Petra Schmitz und All Points Bulletin

All Points Bulletin ist ein Gangster-gegen-Polizisten-Shooter, der mit Charakterentwicklungs-Merkmalen daher kommt und sich als MMO bezeichnet.

Ich hatte bei buffed.de ein Video gesehen, ein Preview in der Gamestar gelesen und mich dann zum Kauf entschlossen. Da sich die Sprache des Spiels bei der Installation umstellen läßt, habe ich mir über gameware.at die englische Version gekauft. Die hatte, wie bei so vielen Spielen in der letzten Zeit, den Vorteil, daß sie statt 46,99 € nur um die 28,- € einschließlich Versand gekostet hat.
Dabei ist das gleiche drin. Mit der deutschen Version macht einfach der Publisher mehr Geld.

Ich mußte dann noch etwas tricksen, denn dank der „schönen neuen Vertriebskonzepte“ gab es die Vorteile für Vorbesteller bei dem Spiel zwar bei amazon.de, nicht aber bei amazon.co.uk und auch nicht bei gameware.at. Ich habe dann einfach bei amazon.de bestellt und nachdem ich die Mail mit den Vorbesteller-Sachen bekam wieder abbestellt.
Das hat mir keine Gewissensqualen bereitet, denn ich war ja Vorbesteller und solche Geschäftspraktiken mag ich sowieso nicht.

Aber nun zum Spiel selber. Ich habe es gekauft, bevor der Test in der Gamestar zu lesen war.
Petra Schmitz, zuständig für Tests von Actionspielen bei Gamestar, hat das Spiel in der Luft zerrissen. 59% bekam es gerade noch. Als passionierter Einzelspieler solle man die Finger von dem Spiel lassen. Nun, gerade das habe ich total anders erlebt. Klar macht das Spiel in der Gruppe mehr Spaß, aber durch das gute Matchmaking-System des Spiels kann man sich sehr gut als Einzelspieler durchschlagen. Und das sind wir Casuals ja oft zwangsweise. Mehr Spaß in der Gruppe hat man, weil die Missionen, die ohne Gegner auskommen – Petra bezeichnet sie zu Recht als öde – eben als Einzelspieler öfter vorkommen als wenn man mit einer Gruppe Missionen annimmt.
Man weiß eben vor einer Mission nie, ob man einer Gruppe zugewiesen wird und Gegner bekommt oder ob man eine langweilige Einzelmission abbekommt.

Petra beklagt weiter, daß das Schießen keinen Spaß mache. Aber Gedanken darüber, daß die Waffen absichtlich so „schrecklich schwammig“ in der Hand liegen, macht sie sich nicht. Spielt man das Spiel länger, fällt nämlich auf, daß jede Waffe und auch jedes Auto anders reagiert. Ich fuhr anfangs eine Art Familienkutsche und später dann einen Jeep. Der ist furchtbar gutmütig und läßt sich Klasse fahren, aber wenn man auf einen Rennwagen umsteigt, glaubt man anfangs nicht, daß sich der überhaupt steuern läßt.

Bei den Waffen hat sich mit Patch 1.4.1 inzwischen deutlich etwas verbessert. Als jemand, der nicht hunderte von Shootern gespielt hat, wie die liebe Petra, fand ich übrigens nichts dabei, wie die Waffen reagieren und mir hat das Schießen von Anfang an Spaß gemacht.

Der Hauptspaß im Spiel liegt aber am PvP, dem Kampf mit anderen Spielern und dafür sind die Missionen nur der Hintergrund. Genauso wie man in WoW in die immer gleichen Schlachtfelder geht, um dort PvP zu machen, macht man hier eben Missionen, um sich mit dem Gegner zu kloppen.

Was mich an dem Test aber am meisten stört, ist der Umstand, daß mit zweierlei Maß gemessen wird. Dieselbe Petra gab z.B. Counterstrike Source 86%. Da frage ich mich, warum sie hier die Missionsstrukturen nicht öde findet. Bietet CSS bei den Missionen so viel mehr Abwechslung? Wer es gespielt hat, wird es wissen. Natürlich nicht!
Shooter sind eben einfach gestrikt, weil es nur darum geht, daß zwei Seiten aufeinander los gehen. Der Spaß kommt dann daraus, daß man keine dumme KI (künstliche Intelligenz) auf der Gegenseite hat, sondern echte Menschen, die immer anders reagieren. Nicht immer schlau – das mache ich ja auch nicht – aber anders.

Kommen wir zur Balance bei APB. Zu Recht bemängelt Petra hier, daß Spieler mit höheren Leveln kaum von Spielern mit niedrigen Leveln zu besiegen sind. Obwohl… auch das habe ich in dem Spiel schon erlebt. Wenn sie sich in Häusern verschanzen können, natürlich nicht. Aber wenn man sie z.B. mit dem Auto umfährt, dann ist das Level egal. Auch bei den Missionen, die anderes fordern, als die Gegner zu töten, hat man durchaus Chancen. Hier kommt es eben darauf an, wie gut die Spieler sind.
Allerdings übersieht Frau Schmitz, daß das Matchmaking sich nicht an dem Level der Spieler orientiert, sondern an deren Bedrohung. Die entsteht, wenn man erfolgreich Missionen abschließt. Und so kommt es eben, daß jemand, der viele Missionen erfolgreich abgeschlossen hat, auf Gegner trifft, die er nicht besiegen kann.
Bei Starcraft 2 ein Feature. Dort hat Blizzard erklärt, daß Spieler nicht immer auf gleich starke Spieler treffen, sondern auch mal einen leichten Sieg haben wollen. Deswegen habe man einen kleinen „Fehler“ ins Matchmaking eingebaut, der hin und wieder zu solchen Partien führe. Soviel ich weiß, hat das nicht dazu geführt, daß die Gamestar Starcraft 2 im Test abgewertet hat.
Mit dem nächsten Patch 1.4.2 soll in APB übrigens ein neues Regelwerk eingeführt werden, bei dem alle Upgrades auf Charakter und Waffen, die für die schlechte Balance sorgten, abgeschaltet sind.

Vielleicht ging Petra Schmitz mit dem Spiel so hart um, weil es als MMO beworben wurde und zudem mit monatlichen Kosten verbunden ist. Das ist ein Kritikpunkt, aber der sollte als Kritikpunkt herauskommen und nicht Einfluß auf die restliche Wertung haben.
Darin sehe ich auch die einzige Schwäche bei APB. Wenn es ein f2p-Spiel mit einem weichen Itemshop wäre, bei dem man sich also Vorteile mit echtem Geld erkaufen kann, aber auch erspielen, hätte es sehr viel mehr Akzeptanz.

Ich bin ja niemand, der allgemein auf Spieltests schimpft, aber was ich bei der Gamestar in der letzten Zeit mit den guten Wertungen für den Flop Warhammer Online, das anfangs total bugverseuchte Empire:Total War usw. erlebt habe, hat mich dann doch dazu gebracht, etwas zu Frau Schmitz zu schreiben. Zumindest ich habe das Gefühl, daß Objektivität fehlt und hier andere Gründe in die Tests reinspielen.
Vielleicht findet Petra beim nächsten Test ihre Objektivität wieder und schaut auch mal, was sie früher so getestet hat und wahrt die Relation zwischen ihren Testergebnissen. Was bei dem einen Spiel nicht stört, sollte eben auch beim anderen kein Kritikpunkt sein und umgekehrt.

Ach ja, da APB, auch aufgrund der Tests (es kam bei anderen nicht viel besser weg als bei Gamestar) schlechte Verkaufszahlen hatte, hat die Produktionsfirma Insolvenz anmelden müssen. Was aus dem Spiel wird, weiß man nicht. Ich hatte es bis 30.08.2010 regelmäßig zwischendurch gespielt. Seitdem ist mein erstes Monatsabo abgelaufen und bisher habe ich nicht die Zeit, daß es sich lohnt, es zu erneuern.

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